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Schaffen ohne Chef

Auf dem Bild ist ein Schreibtisch mit bunten Stiften, einem Computer und einem Taschenrechner zu sehen.
Wer sich eine eigene Existenz aufbauen will, braucht Gelassenheit und Resistenz gegenüber Frustrationen, kann sich allerdings auch - wie Grafikdesigner Manuel Mederer - seine Projekte selbst aussuchen.
Foto: WillmyCC Studios

Existenzgründung

Schaffen ohne Chef

Er hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt: Diplom-Designer Manuel Mederer (30) machte sich bereits im Studium selbstständig und hat die Nürnberger Agentur "VILINGO.Group" gemeinsam mit seinen Partnern erfolgreich am Markt platziert.

Erst neulich gab es in der Agentur mal wieder eine kleine Party: „Wir haben den Abschluss eines Projekts gefeiert“, erzählt Manuel Mederer. „Man muss das zelebrieren und nicht nur abhaken“, erklärt der Diplom-Designer, der gemeinsam mit einem weiteren Grafiker und einem Software-Entwickler seit einigen Jahren eine Agentur für Unternehmenskommunikation führt. Neben klassischen Instrumenten der Unternehmenskommunikation wie Flyern, Logos, Visitenkarten und Briefpapier bietet die „VILINGO.Group“ auch Softwarelösungen für Web-Projekte an. Doch bis die Flasche Sekt tatsächlich geköpft werden kann, ist es meistens ein anstrengender Weg: Kunden müssen akquiriert werden, ein Konzept gemeinsam mit dem Auftraggeber geplant werden, die eigentliche Umsetzung, auch Verwaltungs- und Buchhaltungstätigkeiten fallen an. „Man unterschätzt am Anfang den Zeitaufwand“, berichtet Manuel Mederer, geschäftsführender Gesellschafter von „VILINGO.Communications“.

Intensive Zeit

Auf dem Bild ist ein junger Mann mit kurzen braunen Haaren zu sehen. Er trägt einen Anzug.

Manuel Mederer

Foto: privat

Bereits während seines Kommunikationsdesign-Studiums an der FH Nürnberg fragte er sich, wie wohl sein Berufsalltag aussehen könnte. „Ich hatte einfach Lust darauf, eigene Projekte zu realisieren“, erinnert er sich. Neben den Vorlesungen ergaben sich erste Aufträge im Bekanntenkreis, die er zu Hause erledigte. Im fünften Semester mietete er gemeinsam mit drei Kommilitonen ein kleines Büro an. „Ein bisschen naiv“ hätten sie sich damals auf einen Kunden gestürzt und etwa 20 Entwürfe entwickelt, beim Finanzamt holten sie sich eine Steuernummer, schrieben Rechnungen und arbeiteten sich in das Umsatzsteuergesetz ein. „Bei den Beratungsstellen der IHK habe ich mir damals entsprechende Unterlagen besorgt“, berichtet der Designer. An der Hochschule besuchte er das Fach „Existenzgründung“, er sprach mit Selbstständigen aus seinem Bekanntenkreis und suchte sich so seine eigenen Mentoren. Weil er direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit startete, kam der Gründungszuschuss, eine Leistung, die Arbeitslosen für den Sprung in die Selbstständigkeit gewährt werden kann, nicht in Frage. Auch andere Förderungen oder Kredite nahm er nicht in Anspruch: „Ich habe meine Ersparnisse genutzt. Außerdem brauchten wir nicht viel mehr als einen Rechner und die entsprechende Software. Das Büro hat sich gleich aus den ersten Aufträgen getragen.“ Eine intensive Zeit, die ihm viel Praxiserfahrung einbrachte, wovon er im Gegenzug auch im Studium profitierte. Mittlerweile ist er seit gut sieben Jahren selbstständig tätig.  

In sämtliche Prozesse involviert       

Arbeiten als sein eigener Chef bedeutet, dass sich Manuel Mederer seine Projekte selbst aussuchen kann. Er bearbeitet nicht nur einen Ausschnitt, sondern ist in sämtliche Prozesse involviert. „Ich arbeite mich in Strukturen von Unternehmen ein und habe permanent mit anderen Branchen zu tun. Das ist sehr spannend“, erzählt er. Die Buchhaltung hat er mittlerweile an einen Steuerberater abgegeben, den er als einen „sehr wichtigen Kontakt“ bezeichnet. Gerade, weil sich im Steuerrecht permanent etwas verändere. Auch die Arbeit im Team und das Führen von Mitarbeitern und Freelancern zählen zu seinen Aufgaben.

Stillstand gibt es im Berufsalltag von Manuel Mederer kaum, deshalb ist für den jungen Designer Engagement eine wichtige Eigenschaft, die man als Existenzgründer mitbringen sollte – sei es für den bestehenden Kunden oder für neue Projekte. Auch Gelassenheit und eine Resistenz gegen Frustration seien entscheidend, wenn man den Sprung in die Selbstständigkeit wage, so der Designer. Jeder Anfänger müsse sich fragen: Was bin ich eigentlich wert? Was gibt meine Qualifikation her? Dazu müsse eine hohe Motivation und vor allem Eigenmotivation vorhanden sein. Manuel Mederer ist deshalb auch oft abends auf Veranstaltungen unterwegs und trifft Leute aus der Branche. Netzwerken und Empfehlungsmarketing seien entscheidend. Für die Zukunft arbeitet Manuel Mederer an seiner Vision. Mit seinem Unternehmen will er sich weiter lokal und überregional einen Namen machen, „einen festen Kundenstamm aufbauen und langfristige, spannende Projekte realisieren“.

abi>> 18.04.2012