2,4 Millionen Sendungen im Blick
Als Wirtschaftsingenieur bei einer Spedition in Köln kann Gunnar Stellmacher (33) sowohl seine betriebswirtschaftlichen als auch seine technischen Kenntnisse gut gebrauchen.
Gunnar Stellmacher arbeitet in einer mittelständischen Spedition als Qualitätsbeauftragter und ist verantwortlich für die Speditionssoftware.
Foto: Privat
Während seines Wehrdiensts hatte Gunnar Stellmacher das erste Mal mit Warenströmen zu tun: Im Nachschub-Bataillon war er für den Versand von Materialien für die Truppen zuständig. „Es war spannend, hinter die Kulissen der Logistik zu schauen und zu sehen wie Warenströme gesteuert werden. Daher habe ich mich nach meiner Wehrpflichtzeit für eine Ausbildung zum Speditionskaufmann entschieden“, erzählt der 33-Jährige. Die Ausbildung absolvierte er bei der Spedition Emons in Erfurt.
Anschließend studierte er an der Fachhochschule Erfurt Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Verkehrs- und Transportwesen und arbeitete nebenbei als Werkstudent bei seinem Ausbildungsunternehmen. Seit 2003 ist er bei der Spedition Emons in Köln fest angestellt. Als Assistent der Geschäftsführung ist er zum einen Qualitätsbeauftragter, zum anderen verantwortlich für die Speditionssoftware. „Jedes Jahr werden bei uns 2,4 Millionen Sendungen abgewickelt, die mit mehreren Hundert Lkws bewältigt werden müssen“, erklärt Gunnar Stellmacher. „Dafür braucht man eine leistungsfähige Software.“
Die Stammdaten der Kunden und Geschäftspartner müssen ebenso verwaltet werden wie die Daten zur Warenabfertigung sowie Informationen zu Versender, Empfänger und Preisen der Lieferungen. An jedem Schnittstellenpunkt – also etwa beim Absender, bei Zwischenlagerungen, bei Umladungen oder beim Empfänger – kann man per Computer Auskunft über den Status der Sendung erhalten. Der Wirtschaftsingenieur sorgt dafür, dass die Software inhaltlich und technisch immer weiterentwickelt wird, denn die Prozesse verändern sich laufend. Dazu erstellt er unter anderem Pflichtenhefte, die die Kollegen aus der externen Programmierung abarbeiten, und führt neue Softwareversionen oder Funktionsmodule ein.
Schwachstellen suchen
Als Qualitätsbeauftragter überprüft der gebürtige Erfurter zusammen mit zwei Kollegen, welche Schwachstellen es in den Prozessketten gibt und wie diese behoben werden können. „Wenn Lieferungen zu lange dauern, müssen wir feststellen, woran das liegt“, nennt Gunnar Stellmacher ein Beispiel. Zur Qualitätsüberwachung nutzt er Reporting- und Controllinginstrumente, mit denen er Unregelmäßigkeiten schnell erkennen kann. Darüber hinaus begleitet er Zertifizierungen des mittelständischen Unternehmens. 2006 wurde Emons unter seiner Mitwirkung von externen Prüfern erstmals auf Qualitäts- und Umweltaspekte hin geprüft.
Gunnar Stellmacher hat sich für seine Ausbildung und seinen weiteren Berufsweg bewusst für eine mittelständische Spedition entschieden: „Mir gefällt, dass ich hier schnell viel Eigenverantwortung übernehmen kann. Bei uns im Unternehmen herrscht eine ganz familiäre Atmosphäre, man kennt die meisten Kollegen persönlich.“ Darüber hinaus übernimmt man im Mittelstand in der Regel größere Aufgabenbereiche als in einem Großunternehmen. Dafür kommt Gunnar Stellmacher sein breites Wissen aus dem Wirtschaftsingenieurstudium zugute: „Ich weiß zum Beispiel, wie man eine Bilanz erstellt und kenne mich gleichzeitig mit technischen Themen wie Verkehrssteuerungssystemen aus, mit denen auch unsere Lkws ausgestattet sind“, erklärt er den Vorteil seines Studiums. Zudem hat er gelernt, strukturiert zu denken und sich zu organisieren – zwei Eigenschaften, die unerlässlich sind, wenn man für eine Spedition arbeiten will.




