Eine sportliche Herausforderung
Im Internet gehen Websites schnell im uferlosen Angebot unter. Darum ist es wichtig, über Suchmaschinen wie Google gefunden zu werden. An dieser Stelle kommen sogenannte SEO-Manager - oder Suchmaschinenoptimierer - ins Spiel. Christina Höser (40) arbeitet bei der Agentur ABAKUS Internet Marketing in Hannover und ist eine von wenigen Frauen in dieser Männerdomäne.
Kundenseiten bei Suchmaschinen wie Google ganz nach oben zu bringen ist das Ziel von SEO-Managern.
Foto: Hanreich
Christina Höser arbeitet schon seit über zehn Jahren im Bereich Suchmaschinenoptimierung: Zunächst nebenberuflich im Rahmen ihres Jobs als Online-Marketing-Managerin, seit vier Jahren hauptberuflich als SEO-Managerin. Ausschließlich für die Agentur ABAKUS Internet Marketing in Hannover ist die 40-Jährige seit einem Jahr tätig. Damit, dass sie eine von sehr wenigen Frauen in diesem Job ist, hat sie trotz anfänglicher Bedenken nie negative Erfahrungen gemacht – einige Kunden waren sogar sehr positiv überrascht.
Bei ABAKUS hat jeder SEO-Manager einen festen Kreis an Kunden, für die er über Monate oder manchmal auch Jahre hinweg die Websites für Suchmaschinen optimiert. „Dazu schaut man sich die Internetseiten genau an und versucht herauszufinden, worin ihre Stärken und Schwächen liegen“, erklärt Christina Höser. Ganz wichtig sei dabei der sogenannte Title Tag. „Das sind die Begriffe, die im Head der Browserseite, aber auch in der Trefferliste der Suchmaschinen angezeigt werden. Darin sollten die wichtigsten Schlüsselbegriffe zur Homepage enthalten sein.“ Überhaupt sei es wichtig, gängige Keywords zu verwenden. „Manchmal steht auf der Internetseite eines Handwerksbetriebes zum Beispiel gar nicht das Wort ‚Handwerksbetrieb’, sondern nur eine Umschreibung wie ‚Wir reparieren Ihr Haus’. Das bringt natürlich wenig.“ Darüber hinaus untersucht die SEO-Managerin, ob die wichtigsten Begriffe auch in den Überschriften, Bildunterschriften etc. auftauchen. „Bei der Analyse sind alle textbasierten Elemente wichtig. Google & Co. können nämlich nur diese lesen.“ Ein weiterer Aspekt sei, dass andere Websites auf die eigene Homepage verlinken, dann wird die Seite ebenfalls besser gefunden.
Die Ergebnisse der Analyse präsentiert Christina Höser dann ihren Kunden. Diese setzen die Änderungsvorschläge entweder selbst um. „Oft übernehme ich diese Aufgabe aber auch gleich selbst“, sagt die 40-Jährige. Dafür muss sie sich nicht nur mit Content-Management- oder Shop-Systemen auskennen, sondern auch mit html (Hypertext Markup Language oder Hypertext-Auszeichnungssprache) und CSS (Cascading Style Sheets). „Kenntnisse der Skriptsprache php sind aber auch nicht verkehrt.“
Ausgeprägter Forscherdrang ist wichtig
Die wichtigste Suchmaschine, mit der sich Christina Höser beschäftigt, ist Google. Nach welchen Kriterien die Suchmaschine sucht und in welcher Reihenfolge sie die Ergebnisse auflistet, ist allerdings nur vage bekannt und wird auch immer wieder verändert. Erfahrung spielt daher eine große Rolle. Zudem ist es sehr wichtig, sich ständig weiterzubilden: „Zwar sucht jeder SEO-Manager Optimierungsmethoden für sich selbst, doch gibt es einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit den Kollegen“, erklärt sie. „Außerdem recherchiere ich die Erfahrungen anderer im Netz und probiere selber viel aus.“
Eine Ausbildung oder einen festen Zugang in den Job gibt es nicht, was Christina Höser als Vorteil sieht. „Oft steht in den Anforderungen einer Stellenausschreibung zwar, dass ein Informatikstudium vorausgesetzt wird.“ Das könne durchaus hilfreich sein, doch sie selbst hat ursprünglich Agrarwissenschaft studiert und die meisten ihrer Kollegen sind auch keine Informatiker, sondern Physiker, Geologen, Volkswirte. „Einen ausgeprägten Forscherdrang zu haben, ist dabei natürlich sehr hilfreich, denn man muss bereit sein, sich selber in die Thematik einzuarbeiten.“ So wie sie: Die 40-Jährige bildete sich nach ihrem Studium auf eigene Faust fort – und rutschte so in die Branche hinein.
Klassischerweise sind viele SEO-Manager freiberuflich tätig, wobei Referenzen auf bisherige Projekte und Arbeitserfahrung wichtig sind, um sich erfolgreich zu etablieren. „Es gibt aber auch Agenturen für Suchmaschinenoptimierung und eigene Abteilungen in großen Unternehmen, in denen SEO-Manager beschäftigt werden“, weiß die Expertin.
Immer wieder etwas Neues ausprobieren
Von ihrem Job ist Christina Höser begeistert: „Es wird nie langweilig, denn kein Auftrag ist wie der andere und ich muss immer wieder etwas Neues ausprobieren.“ Außerdem kann sie ihren Erfolg nach langer Tüftelei sehen – wenn die Internetseite eines Kunden bei einer Google-Suche auf den vorderen Plätzen landet. Dieser Erfolg ist jedoch nie hundertprozentig garantiert. Aber auch das gehört für die SEO-Managerin zu den spannenden Seiten des Jobs: „Man kann nie voraussagen, ob das, was man sich überlegt hat, auch wirklich funktioniert“, sagt sie. Frustrierend ist das für sie nicht. „Ich sehe das eher als sportliche Herausforderung.“





