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Freie Journalistin

Zwischen Freiheit und Selbstdisziplin

"Willst du denn gar keinen festen Job?", wird Juliane Gringer (29) manchmal gefragt. "Nein", sagt sie dann, "denn mir macht es derzeit großen Spaß als freie Journalistin zu arbeiten — außerdem läuft es so gut, dass ich eine Festanstellung gar nicht vermisse."

Auf dem Foto ist eine junge Frau mit dunklen Haaren und braunen Augen zu sehen, die direkt in die Kamera blickt. Sie trägt einen grauen Schal und eine schwarze Jacke. Der Himmel im Hintergrund ist blau.

Juliane Gringer (29): "Ich bin eigentlich immer beschäftigt".

Foto: Privat

Auf eine feste Stelle hat sich die 29-Jährige bislang daher erst ein einziges Mal beworben, und als das nicht geklappt hat, war sie nicht wirklich traurig. Für Juliane Gringer war schließlich immer klar, dass sie als freie Journalistin arbeiten will. Schon von Anfang an, seit sie nach dem Abitur regelmäßig für die Lokal- und Mantelredaktion der Mitteldeutschen Zeitung schrieb. Eine Mantelredaktion ist für überregionale Themen in Regionalzeitungen verantwortlich. „Ich mag die Freiheit sehr, dass ich mir selber die Themen aussuchen kann, ganz unterschiedliche Auftraggeber habe und mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt komme“, erklärt sie die Vorteile. „Wenn der eine Job mal nicht so aufregend ist, gleicht das meist der nächste wieder aus.“

Ihr Diplom-Journalistik-Studium in Leipzig, das sie 1999 begann, sieht sie in gewisser Weise als so etwas wie die Eintrittskarte in den Job. Über die wirtschaftlichen Aspekte und Selbstmarketing hat sie während des Studiums zwar kaum etwas gelernt, aber sie hat die Zeit genutzt, um an ihrer Selbstständigkeit zu basteln: Mehrere Praktika hat sie gemacht und ein im Rahmen des Studiums vorgesehenes Volontariat bei der taz in Berlin. Manchmal ergab sich daraus eine längerfristige Zusammenarbeit; manchmal blieb es auch nur bei einzelnen Aufträgen.

Verschiedene Auftraggeber, unterschiedliche Themen

Mittlerweile hat die Freiberuflerin einen Schreibtisch in einer Bürogemeinschaft in Berlin und schreibt regelmäßig für fünf, sechs Auftraggeber. Ihr Alltag besteht aber trotzdem nicht nur aus Schreiben: Sie muss recherchieren, Interviews machen, Termine absprechen, sich jeden Tag aufs Neue Themen überlegen und anbieten sowie Kontakte zu den Redaktionen pflegen, von denen sie ihre Aufträge bekommt. Dazu kommen viele organisatorische Aufgaben von der Buchhaltung bis zur Steuererklärung, die jeder Selbstständige zu erledigen hat. „Ich bin eigentlich immer beschäftigt“, sagt die Journalistin.

Sie schreibt viel für Jugendliche und Kinder, betreut unter anderem ein Kindernachrichtenmagazin und die Jugendseite der Mitteldeutschen Zeitung. „Ich habe einfach viel ausprobiert“, sagt Juliane Gringer. Bis heute sind ihre Themen breit gefächert: Sie schreibt über Kultur und Film, Gesellschaftsthemen, Reise und sogar hin und wieder für ein Magazin über Lkw-Achsen. Das liegt auch daran, dass sie nach wie vor nur äußerst selten einen Auftrag ablehnt. „Es gibt genug Freie und die Konkurrenz gerade im Magazinbereich ist groß“, sagt sie. „Man ist schließlich austauschbar, denn die Redaktionen können die Aufträge auch an andere Mitarbeiter vergeben, die das genauso gut erledigen können.“ Obwohl es aber derzeit für sie sehr gut läuft, kann sie sich nicht ganz von Zukunftsängsten frei machen.

Bei allen Freiheiten und Vorteilen, die die Selbständigkeit bietet, ist diese Unsicherheit nicht der einzige Nachteil: Der Job verlangt viel Einsatz, Disziplin, Selbstorganisation und ein Talent für das Marketing in eigener Sache. „Wenn ich gerade einen Auftrag erledige, denke ich immer schon an den nächsten“, sagt die Journalistin. Auch ein wirkliches Feierabendgefühl hat sie nie. „Das ist kein 9-to-5-Job.“ Sie arbeitet durchaus mal abends und meistens sechs bis sieben Tage – also auch am Wochenende. Doch das ist für sie eher nebensächlich: „Der Job ist so spannend und macht so viel Spaß, dass er sich trotz der 40 bis 50 Arbeitsstunden in der Woche glücklicherweise nicht immer anfühlt wie Arbeit.“

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