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Dramaturg

An der Naht von Theorie und Kunst

Johann Casimir Eule arbeitet seit 2008 als leitender Dramaturg für Oper, Ballett und Konzert am Staatstheater Nürnberg. Zuvor war der 42-Jährige unter anderem an Bühnen in Regensburg, Augsburg, Solothurn und Gelsenkirchen beschäftigt. Dieses Berufsziel hatte er schon zu Beginn seines Studiums im Visier.

Auf dem Bild sieht man Johann Casimir Eule der an einem goldenen Geländer steht.

„2.000 Theaterstücke und 300 Opern muss man als Berufsvoraussetzung schon gelesen haben“, findet Johann Casimir Eule. Der 42-Jährige ist leitender Dramaturg am Staatstheater Nürnberg.

Foto: Privat

„Ich wollte Dramaturg werden, weil es mich fasziniert an der Nahtstelle zwischen Theorie, Literatur und Musik auf der einen und dem künstlerischen Prozess auf der anderen Seite zu stehen“, erzählt Johann Casimir Eule. Der gebürtige Bremer hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Theaterwissenschaften, Neuere Deutsche Literatur und Philosophie mit dem Grad Magister Artium (M.A.) abgeschlossen.

Während seiner Schulzeit besuchte Johann Casimir Eule zwar regelmäßig Theater- und Operaufführungen, selbst aktiv wurde er allerdings erst im Studium, als er an den Städtischen Bühnen Regensburg eine Hospitanz absolvierte. Dort wurde ihm dann für eine Spielzeit die Stelle des Regieassistenten angeboten. Seine erste Festanstellung fand er im Anschluss an sein Studium an den Städtischen Bühnen Augsburg. Da war natürlich auch etwas Glück dabei, aber entscheidend war, dass er die Leute persönlich kannte und deswegen bessere Chancen als externe Bewerber hatte.

Wer später als Dramaturg arbeiten möchte, dem rät der 42-Jährige unbedingt zu einer Regie-Hospitanz. „So gewinnt man tiefen Einblick in das Kerngeschehen eines Theaters, alle anderen um den Regisseur herum sind nur Satelliten.“ Selbst Regisseur zu werden, kam für Johann Casimir Eule nicht in Frage. „Das ist eine Frage des Talents“, meint er.

Dramaturgen sichten Spielvorlagen und Libretti (Texte von Opern). Außerdem beschaffen sie Hintergrundinformationen, um ein Stück zu interpretieren und zu inszenieren. Daher benötigen sie hervorragende Literaturkenntnisse. Auch ein Gespür für Trends ist wichtig, damit der Spielplan ein großes Publikum anlockt. Als eines der wichtigsten Aufgabenfelder erachtet Johann Casimir Eule, neben der Vermittlung künstlerischer Inhalte gemeinsam mit der Marketingabteilung, die Betreuung des Regieteams bis zur Premiere: Ideenaustausch, Bühnenbild, Kostüme, Proben. An den Probezeiten orientiert sich auch sein Tagesablauf: Sie finden jeweils vormittags und abends statt, wenn zu dieser Zeit keine Vorstellungen anstehen. Dazwischen arbeitet er in seinem Büro: Lesen, korrigieren, recherchieren, Gespräche führen.

Lust am Lesen und am Schreiben

Johann Casimir Eule verfasst Texte und Artikel für die Theaterzeitung und die Programmhefte, informiert die Theaterbesucher in Einführungen, Matineen oder Nachgesprächen über die Inszenierungen, deren Hintergründe und Entstehung sowie über die Künstler. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sind ein Muss in diesem Beruf.

Die wichtigsten Eigenschaften und Voraussetzungen, um den Beruf des Dramaturgen ausüben zu können, sind für ihn autonomes Arbeiten, Mobilität und die Bereitschaft, sich mit befristeten Engagements zu arrangieren. Kontaktfreude, Lust am Schreiben und sprachliche Begabung sieht er nicht als weniger wichtig an als breit gestreute Interessen und eine profunde Bildung an. „2.000 Theaterstücke und 300 Opern muss man erst einmal gelesen haben“, findet Johann Casimir Eule, „aber das ist eben der Fundus, aus dem wir schöpfen.“

Ebenso seien Offenheit und Empathie bedeutend, nicht nur gegenüber Stücken und Autoren, sondern vor allem auch in der täglichen Arbeit gegenüber Regisseuren, Schauspielern, Sängern und Tänzern. „Ich habe zwar ein Mitspracherecht, aber keine Machtposition, meine Ideen auch umzusetzen“, erläutert er, „im Zweifel entscheidet immer die Regie.“

Dabei hat man keine 40-, sondern eher eine 60-Stunden-Woche. Natürlich kommt es immer darauf an, ob gerade eine Premiere ins Haus steht oder was sonst so anfällt. „Wenn jemand Wert darauf legt, mit 40 Jahren ein Haus, ein Auto und viel Freizeit zu haben, ist er in diesem kreativen Beruf fehl am Platz“, warnt der 42-Jährige. Demgegenüber schätzt er die enorme geistige Freiheit und die permanente Beschäftigung mit künstlerischen Dingen: „Das ist für mich purer Luxus.“ Dabei lernt er ein unheimlich breites Spektrum an interessanten Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen kennen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind – vom Darsteller der Hauptrolle bis zum Handwerker der Bühnentechnik.

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