Die Stimme im Ohr
Sarah King ist Expertin in Sachen Medizin und Sprachen: Die 33-Jährige arbeitet als freiberufliche Dolmetscherin und Übersetzerin von Köln aus für Auftraggeber in ganz Deutschland. Eine besonders anspruchsvolle Aufgabe ist das Simultandolmetschen auf Fachkongressen und Tagungen.
Kongresse und Tagungen sind eine besondere Herausforderung für Dometscher, denn hier müssen sie simultan übersetzen.
Foto: Becker
Die 33-jährige Rheinländerin hat sich besonders auf medizinische Themen wie Chirurgie, Sportmedizin und Orthopädie spezialisiert. Ihre Sprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Bevor sie zu einer Konferenz irgendwo in Deutschland oder im Ausland anreist, bereitet sich Sarah King intensiv vor. „Abkürzungen, die vorkommen können, muss ich ebenso kennen wie Fachbegriffe“, erzählt sie. „Das Kürzel o. B. steht bei einer Medizinertagung zum Beispiel für ,ohne Befund‘. Und für die Begriffe Mortalität und Letalität, die zwei unterschiedliche Dinge beschreiben, gibt es im Englischen nur ein Wort, nämlich ‚mortality’.“ Als Vorbereitung auf ihren Einsatz liest die Dolmetscherin Fachartikel und recherchiert Hintergrundinformationen im Netz. „Wenn ich von meinem Auftraggeber vorab eine Rednerliste bekommen habe, schaue ich auf ,YouTube‘ nach, ob es Videos von den Betreffenden gibt. Das ist sehr hilfreich, um sich ein Bild vom Akzent und der Redegeschwindigkeit zu machen.“ Ein Tag Dolmetschen kann auf diese Weise eine Woche Vorbereitungszeit erforderlich machen.
Dolmetschen im Team
Während eines Kongresses ist der Arbeitsplatz von Sarah King meist eine schallisolierte Kabine. Bei Simultaneinsätzen dolmetscht sie mit einer minimalen
zeitlichen Verzögerung das gesprochene Wort der Redner zeitgleich. „Dolmetscher warten meist eine Sinneinheit ab. Wir sitzen gemeinsam mit einem Kollegen in der Kabine und dolmetschen in der Regel zwanzig Minuten am Stück; dann wechseln wir uns ab“, berichtet sie. Konferenzdolmetschen ist also Gemeinschaftsarbeit. Manchmal organisiert Sarah King das Team selbst, bei einigen Kongressen kümmert sich das Organisationsteam des Veranstalters darum.
Es kommt vor, dass Redebeiträge, zum Beispiel aus dem Polnischen, zunächst ins Deutsche und dann ins Englische oder in eine andere Sprache übertragen werden. Wenn auf einer internationalen Konferenz viele Nationalitäten zusammen kommen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, wird häufig undeutlich gesprochen – Schwerstarbeit für die Dolmetscher: „Ein Acht-Stunden-Tag kann sich hinterher so anfühlen, als hätte ich eine Woche lang durchgearbeitet“, meint Sarah King.
Auslandsaufenthalte während des Studiums
Ihr Studium hat sie an der Fachhochschule Köln absolviert und mit einem Diplom als Dolmetscherin und als Übersetzerin abgeschlossen. Danach arbeitete sie zweieinhalb Jahre für das Bundeskriminalamt in Wiesbaden als festangestellte Übersetzerin. Als ihr befristeter Vertrag auslief, ging sie für ein Jahr nach Australien, um an der University of New South Wales in Sydney einen Master in „Interpreting and Translation Studies“ zu machen. „Zwar habe ich bereits während des Diplom-Studiums ein Auslandssemester an der University of Westminster in London und eines an der Pariser Sorbonne absolviert, doch das Interesse war da und ich konnte mich während des einjährigen Masterstudiums auch in medizinische Themengebiete einarbeiten“, erklärt sie ihre Motivation. An der australischen Universität übersetzte Sarah King zum Beispiel wissenschaftliche Arbeiten aus dem Gebiet der Anatomie, bevor sie mit ihrem Abschluss nach Deutschland zurückkehrte.
Ihre Arbeit findet die junge Frau erfüllend – auch wenn sie für das Konferenzdolmetschen oft am Wochenende arbeiten muss: „Nach einem anstrengenden Kongress habe ich immer ein gutes Gefühl, denn ich habe Kommunikation möglich gemacht. Am besten ist es gelaufen, wenn wir Dolmetscher in unseren Kabinen von den Teilnehmern gar nicht wahrgenommen werden – das ist ein sicheres Indiz, dass alles reibungslos geklappt hat“, sagt Sarah King.





