Quasi Mittler zwischen Anwalt und Außenwelt
Sandra Turgay ist Rechtsanwaltsfachangestellte bei der Kanzlei Haibach, die in Gießen ihren Hauptsitz und in Frankfurt eine Niederlassung hat. Seit vier Jahren arbeitet die 23-Jährige bereits für die Gießener Kanzlei und erledigt alle anfallenden Arbeiten. Sie bearbeitet die Post, vereinbart Termine, kontrolliert die Wiedervorlage und schreibt Rechnungen.
Rechtsanwaltsfachangestellte erledigen die Büroarbeit, die in einer Kanzlei anfällt.
Foto: WillmyCC Studios
Sandra Turgay interessiert sich für die Fälle: „Ich finde die vielen verschiedenen Geschichten spannend, die ich mitbekomme, wenn ich neue Akten anlege. Auch die unterschiedlichen Bestimmungen im Familienrecht sind sehr interessant, also: Wie viel steht nach einer Scheidung wem zu? Und warum?“ Dabei war sie sich nach dem Abi nicht sicher, was sie beruflich machen soll: Studieren? Oder vielleicht doch eine Ausbildung machen? Schließlich bewarb sie sich bei ihrem früheren Praktikumsbetrieb, der Kanzlei Haibach, um einen Ausbildungsplatz und bekam dort prompt eine Zusage. Drei Jahre lang absolvierte sie dort ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Sie hätte ihre Ausbildung, dank Abitur, auch auf zwei Jahre verkürzen können, aber das wollte sie nicht: „Ich wusste noch nicht, was ich nach der Ausbildung machen will und ob ich übernommen werde. Also beschloss ich, nicht zu verkürzen. So hatte ich ein Jahr länger Bedenkzeit.“ Nach ihrer Ausbildung wurde sie von ihrem Arbeitgeber übernommen und hat mittlerweile einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten.
Fristen im Blick
Sandra Turgay fühlt sich wohl in der Kanzlei. Das liegt zum einen am guten Arbeitsklima, zum anderen an den abwechslungsreichen Tätigkeiten. Morgens um sieben Uhr kommt sie ins Büro. Zuerst wird der Kalender für den Tag ausgedruckt, darin sind die Termine verzeichnet, die die Anwälte an diesem Tag haben. Dann wird die Wiedervorlage bearbeitet – dabei handelt es sich um die Kontrolle von Fristen. In der Kanzlei Haibach wird mit einem Computerprogramm gearbeitet. Darin werden sämtliche Fristabläufe eingetragen, aber auch, wenn einer der Anwälte eine Akte zu einem bestimmten Termin noch einmal sehen will, oder bis wann ein Schreiben an die Gegenseite versandt werden muss.
Dann wird die Post bearbeitet, den Anwälten vorgelegt, weitergeleitet an die Mandanten oder von Sandra Turgay selbst bearbeitet. Das erfordert Konzentration und Sorgfalt – Eigenschaften, die eine Rechtsanwaltsfachangestellte unbedingt mitbringen muss. „Es wäre ein wirklich schlimmer Fehler, sollte zum Beispiel die Post an den falschen Mandanten weitergeleitet werden“, erklärt Sandra Turgay, was diese beiden Eigenschaften so wichtig macht. Weitere Tätigkeiten, die die Gießenerin ausführt, sind das Erstellen der Kostenrechnung, also die Kontrolle der Zahlungseingänge, und das Versenden von Rechnungen und Mahnungen, sollte ein Mandant nicht pünktlich gezahlt haben. Auch das Schreiben von Diktaten vom Tonband gehört zu ihrem Aufgabenspektrum.
Kontaktfreudigkeit ist eine weitere, unabdingliche Eigenschaft, die eine Rechtsanwaltsfachangestellte haben sollte, betont Sandra Turgay. Schließlich sind sie es, die Termine mit den Mandanten vereinbaren und mit der Gegenseite kommunizieren. Rechtsanwaltsfachangestellte sind also fast so etwas wie der Mittler zwischen dem Anwalt und den Klienten. Und sie müssen natürlich unbedingt verschwiegen sein.
Auch eigenständiges Arbeiten sollte für eine Rechtsanwaltsfachangestellte selbstverständlich sein. „Man muss entscheiden können, was wann rausgeschickt werden muss“, sagt die 23-Jährige, „und man muss auch darauf achten, dass die Anwälte fristgerecht arbeiten.“ Dass Sandra Turgay mit ihrer Arbeit glücklich ist, merkt man bei ihrer Antwort, was ihr nicht so gut gefällt: nur die Arbeitszeiten. Morgens um sieben Uhr anzufangen, fällt ihr, gerade im Winter, schon oft schwer, auch freitags bis 17.30 Uhr arbeiten zu müssen, nervt manchmal. Für die Zukunft und eventuelle Weiterbildungen hat sie noch keine Pläne: „Darüber mache ich mir keinen Kopf. Solange ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, werde ich bei der Kanzlei Haibach bleiben.“





