Viel Pädagogik und Didaktik
Selina Özal (25) ist Referendarin an einer Grundschule in Schönefeld bei Berlin. Ihr Lehramtsstudium an der Uni Potsdam hat sie als eine der ersten im neuen Bachelor-Master-System durchlaufen und mit einem Master of Education abgeschlossen.
Selina Özal hat ihr Lehramtsstudium bereits mit einem Master of Education abgeschlossen.
Foto: Privat
Sie ist selbst gern zur Schule gegangen und das Lernen ist ihr immer leicht gefallen – Selina Özal kann sich nicht erinnern, jemals etwas anderes gewollt zu haben als Lehrerin zu werden. Bestärkt von einem ihrer Oberstufenlehrer setzte sie diesen Wunsch schließlich in die Tat um. Ihre einstigen Prüfungsfächer im Abitur sind heute ihre Unterrichtsfächer: Sport, Mathe und Deutsch.
„An der Uni habe ich erstmal einen Praxisschock erlebt“, erzählt die 25-Jährige, „denn ich hatte mich im Bachelorstudiengang Lehramt Sekundarstufe II eingeschrieben. Doch die Inhalte waren mir viel zu schulfern, in den Mathemodulen wurde der Stoff aus den Leistungskursen weitergeführt.“ In langen Gesprächen mit ihrer Mutter überlegte Selina Özal, was zu tun sei. Zum Ende des ersten Semesters änderte sie ihren Studienschwerpunkt auf Primarstufe.
„Nun stand ganz viel Pädagogik und Didaktik auf meinem Stundenplan“, erinnert sich die gebürtige Berlinerin, „und wir wurden auch für Themen wie Mobbing sensibilisiert.“ In ihren wissenschaftlichen Arbeiten für den Bachelor- und Masterabschluss hat sich Selina Özal, die als Deutsche mit einem Türken verheiratet ist, mit dem Thema ‚Deutsch-türkischer bilingualer Unterricht’ befasst.
Gut vorbereitet ins Referendariat
Praxisschock Nr. 2, den viele Lehramtsstudierende zu Beginn ihres Vorbereitungsdienstes erleben, weil sie sich falsche Vorstellungen vom Lehreralltag gemacht haben, ist ihr erspart geblieben. Denn nach ihrem halbjährigen Pflichtpraktikum im Masterstudium hatte sie wegen akuten Lehrermangels eine Vertretungsstelle an ihrer Praktikumsschule angeboten bekommen und dort bereits 15 Stunden in der Woche unterrichtet.
Während des Vorbereitungsdienstes verbringt Selina Özal jetzt vier Tage die Woche in der Schule. Sechs Stunden unterrichtet sie derzeit allein, weitere sechs Stunden hospitiert sie bei ihren Ausbildungslehrern. Die Zahl der selbstständig abgehaltenen Unterrichtsstunden steigt jedoch stetig. „Für jede Unterrichtsstunde muss man sich ausreichend vorbereiten“, erzählt sie. „Wenn meine Seminarleiterin oder mein Seminarleiter aus dem Studienseminar Cottbus dabei ist, dauert es oft sogar noch länger, denn da will ich natürlich mein Bestes geben!“ Besonders moderne Unterrichtsformen wie das sogenannte „Lernbuffet“ seien sehr vorbereitungsintensiv, daher achte sie auf ein gesundes Mittelmaß aus Frontalunterricht und aufgelockerten Angeboten.
Das Klischee von den frechen, unkonzentrierten und desinteressierten Schülern von heute kann Selina Özal übrigens nicht bestätigen: „Ein paar tanzen immer aus der Reihe, aber das ist doch normal. Größere Probleme gab es bisher nicht.“ Sogar während des zweiwöchigen Praktikums in der berüchtigten Rütli-Schule in Berlin-Neukölln sei sie auf interessierte und engagierte Jugendliche gestoßen und musste selbst so manches Vorurteil revidieren.
Rückhalt im Studienseminar
Jeden Donnerstag fährt Selina Özal ins Studienseminar Cottbus, um dort mit anderen Referendaren aus Brandenburg die Theorie der Didaktik aufzufrischen und sich über ihre Erfahrungen mit den Schülern auszutauschen. „Die Lernatmosphäre ist ganz anders als an der Uni“, erklärt sie. „Alles läuft ganz locker und ohne Druck, teils übernehmen wir Referendare die Unterrichtseinheiten selbst.“
Aktuell nehmen sie das Thema „Beratung“ durch. Bei der nächsten Konfliktsituation, die in der Schule auftritt, soll Selina Özal ein Gespräch mit den Beteiligten einberufen und versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Über ihre Erfahrungen wird sie im Studienseminar berichten und ein Feedback von den Kollegen und dem Seminarleiter bekommen. „Es ist ein gewisser Rückhalt“, weiß die junge Referendarin, „den ich nicht mehr haben werde, wenn ich mit der Ausbildung fertig bin.“
Bereits Ende des Jahres wird es soweit sein, die Bewerbungen für ihre erste Festanstellung als Junglehrerin laufen schon. Denn Selina Özals Referendariat ist im Bachelor-Master-System auf anderthalb Jahre verkürzt. Sie hofft, danach in der Grundschule bleiben zu können, in der sie jetzt unterrichtet, oder aber an einer anderen Grundschule im Berliner Speckgürtel unterzukommen.




