Der Allparteiliche
Ärger mit dem Nachbarn, Sorgerechtsstreitigkeiten oder Mobbing: Bei solchen Konflikten hilft Daniel Holz. Der 31-jährige Mediator arbeitet bei der Mediationsstelle Rostock.
Bevor die Bande reißen: Mediatoren vermitteln bei Konflikten zwischen zwei oder mehreren Personen.
Foto: Rehm/WillmyCC Studios
„Es darf nicht der eine von Blau reden und der andere versteht Grün“, erklärt Daniel Holz. Konfliktparteien lernen bei der Mediation, wieder miteinander zu reden und sich in die andere Seite hineinzuversetzen. Dabei helfen ausgebildete Mediatoren, indem sie die Streitenden bei der Kommunikation unterstützen. Zunächst lassen sie sich den Konflikt von beiden Seiten schildern. „Man sollte auf jeden Fall gut zuhören können, denn es wird einem sehr viel erzählt“, sagt der 31-jährige Mediator. „Die Parteien sollen laut denken. Alles muss angesprochen werden. Sie sollen sich - auf gut Deutsch - auch mal auskotzen können.“
Dabei ist es sinnvoll, dass alle gemeinsam in einem Raum sitzen, damit jeder hört, was den anderen bewegt. Fortwährend „spiegelt“ der Mediator das Gesagte. Das bedeutet, dass er die Aussagen der Streitenden wiederholt oder zusammenfasst. Der Mediator hat dabei die Rolle des Begleiters und Unterstützers. Den Kompromiss müssen die Konfliktparteien allerdings selber finden. Daniel Holz gibt bei seinen Sitzungen in der Mediationsstelle Rostock keine Vorgaben für ein mögliches Ergebnis. Er sagt, dass die Lösung von innen heraus kommen muss, und nicht von außen aufgedrängt werden darf. Er steht nicht wie ein Anwalt auf der Seite eines Mandanten, seine Grundhaltung bei der Mediation ist die allparteiliche. Das Ziel ist es, eine Situation möglich zu machen, mit der beide Parteien einverstanden sind. Eine Einigung kann schriftlich festgehalten werden. Ob die Konfliktparteien sich schließlich daran halten, „da kann man nie sicher gehen“, sagt Daniel Holz. Er empfiehlt, die bei der Mediation gefundene Lösung hinsichtlich der Rechtslage noch einmal mit Anwälten zu besprechen.
Unbefriedigte Bedürfnisse
Weil Konflikte ein Teil des Lebens sind und nicht jeder gelernt hat, angemessen damit umzugehen, benötigen unabhängig von Ausbildung, Religion oder gesellschaftlicher Stellung viele Menschen Mediation. Oft kommen auch Menschen miteinander in Konflikt, die sich schlecht in andere hineinversetzen können, weil sie dann etwa Dinge sagen, ohne einschätzen zu können, welche Wirkung sie bei ihrem Gegenüber damit erzielen.
Besonders häufig begleiten Mediatoren der Mediationsstelle Rostock familiäre Konflikte wie Sorgerechts- bzw. Scheidungsstreitigkeiten. Es geht aber auch um Probleme zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, Mobbing oder Nachbarschaftskonflikte. Daniel Holz fasst zusammen: „Zur Mediation kommen meistens Menschen, die Schwierigkeiten mit Veränderungen haben oder wenn unterschiedliche Interessen aufeinander treffen.“
Positives Menschenbild
Nachdem Daniel Holz 2007 sein Studium der Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Rostock abgeschlossen hatte, fing er bei einer staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtung an zu arbeiten. Wenig später wechselte er zu einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe. 2009 begann er bei der Mediationsstelle Rostock eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Mediator, die er 2010 abschloss. Bei seiner Ausbildung wurde er in Bereichen wie „kreative Methoden in der Mediation“ oder „Mediation in Familien“ von verschiedenen Dozenten unterrichtet. Alle hatten ein anderes Verständnis von Mediation, was dem 31-Jährigen gut gefiel, da er somit die Möglichkeit hatte, die verschiedenen Stile miteinander zu vergleichen und seinen eigenen zu finden. Daniel Holz empfindet seine Tätigkeit als sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Er ist der Meinung, ein Mediator braucht eine gute Auffassungsgabe, ein positives Menschenbild und eine hohe Reflektionsfähigkeit. Außerdem sollte man offen, selbstkritisch und empathisch sein. Zu guter Letzt sagt er noch: „Und man muss an Veränderungen glauben können.“





