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Evangelischer Pfarrer

Von Gemeindefest bis Seelsorge

Seit einem halben Jahr ist Matthias Stahlschmidt (34) Pastor zur Anstellung in der Evangelisch-Lutherischen Auferstehungskirchengemeinde in Lübeck. In seiner Gemeinde gleicht kein Tag dem anderen: Er hilft Menschen in Not, feiert Gottesdienste in Seniorenheimen und muss nebenbei auch so manchen Projektplan studieren.

Auf dem Foto trägt Matthias Stahlschmidt einen Talar und steht vor einem Altar.

"Man muss als Pastor eine gewisse Führungskompetenz und natürlich viel Menschenkenntnis mitbringen": Matthias Stahlschmidt ist Pastor zur Anstellung.

Foto: Privat

„Ich bin ein Spätberufener“, sagt Matthias Stahlschmidt lachend. Der 34-Jährige studierte zunächst vier Semester Jura und zwei Semester Deutsch und Biologie auf Gymnasiallehramt, bevor er sich für das Theologiestudium an der Universität Hamburg entschied. „Ich war bereits als Jugendlicher in der Kirche aktiv, habe mich im Kirchenvorstand und in der Jugendarbeit engagiert.“ Mit 21 Jahren reiste er dann für drei Wochen in die Partnergemeinde nach Tansania. „Dort habe ich entdeckt, wie lebendig der Glaube sein kann, und wollte auch Pastor werden.“ Während des Theologie-Studiums, das er anschließend begann, musste Matthias Stahlschmidt Hebräisch, Altgriechisch und Latein nachholen. Weil er bis dahin keine der Sprachen beherrschte, dauerte sein Studium insgesamt 16 Semester. Nach dem ersten theologischen Examen ging er zunächst für acht Monate mit einem Stipendienprogramm der Nordelbischen Kirche nach Bethlehem, wo er in einem interreligiösen Kinder- und Jugendprojekt arbeitete. Anschließend erhielt er einen Vikariatsplatz in Norderstedt bei Hamburg. „Die ersten fünf Monate habe ich als Religionslehrer an einer Schule gearbeitet, wo wir lernen sollten, wie wir nun mit der Theorie aus dem Studium auf die Menschen zugehen.“ Nebenbei besuchte er Kurse im Predigerseminar. „Das ist sozusagen die Berufsschule für angehende Pastoren“, erklärt Matthias Stahlschmidt. Die restlichen 24 Monate seiner praktischen Ausbildungszeit war er in der Gemeinde und in der Seelsorge tätig, bereitete ein konkretes Gemeindeprojekt vor und lernte unter anderem, wie man Gottesdienste, Taufen und Trauungen gestaltet.

Nach dem zweiten theologischen Examen, womit er sein Vikariat beendete, bewarb er sich beim Nordelbischen Kirchenamt als Pastor zur Anstellung. „Das ist eine Art Probezeit. Nach drei Jahren können beide Seiten entscheiden, ob sie weiter zusammenarbeiten wollen“, erklärt der Norddeutsche. Wenn die drei Jahre vorüber sind, darf er sich Pastor nennen und kann, wie ein Beamter, nicht mehr gekündigt werden. Außerdem darf er sich dann auf freie Pastorenstellen bewerben.

Nach einem halben Jahr als Pastor zur Anstellung – Anfang Februar trat er die Stelle an – ist Matthias Stahlschmidt froh, sich für diesen Weg entschieden zu haben: „Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich.“ Seine Aufgaben reichen vom Verfassen der Sonntagspredigt über Konfirmandenunterricht bis hin zu Taufen und Beerdigungen. Stahlschmidt schreibt Geburtstagsbriefe an seine Gemeindemitglieder oder besucht sie persönlich. Er bereitet Gemeindefeste vor, organisiert gemeinsame Ausflüge, hält Gottesdienste in Altenheimen oder Schulen und beaufsichtigt den Bau einer kircheneigenen Kindertagesstätte. Manchmal kommen auch Menschen in Not an seine Tür, und er versucht, ihnen seelsorgerisch zu helfen. Auch Verwaltung macht einen Teil seiner Arbeit aus: Der Pastor ist Mitglied im Kirchenvorstand und berät sich regelmäßig mit anderen Lübecker Pastoren über aktuelle Entwicklungen in Kirche und Gemeinden. Und nicht zuletzt ist Matthias Stahlschmidt auch Führungskraft für rund 13 Mitarbeiter – von der Sekretärin über den Hausmeister bis hin zur Kita-Leitung.

Eigenes Profil entwickeln

„Man muss als Pastor eine gewisse Führungskompetenz und natürlich viel Menschenkenntnis mitbringen“, ist der gebürtige Hamburger überzeugt. Offenheit, Belastbarkeit und Flexibilität sind weitere Anforderungen an seinen Beruf. „Und man muss sich selber Grenzen setzen“, so der Geistliche. „Ich nehme mir zum Beispiel immer den Montag frei, denn auch ich brauche meine Ruhezeiten, in denen ich mich erholen will.“ Grundsätzlich müsse ein Pfarrer seiner Gemeinde einen klaren Weg vorleben – der auch mal ungewöhnlich sein kann. Stahlschmidt zum Beispiel lebt mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner zusammen und hat im letzten Jahr einen Gottesdienst im Rahmen des Christopher Street Day, der Schwulen- und Lesben-Parade in Lübeck, gehalten. „Dazu stehe ich und meine Gemeinde akzeptiert das auch. Ich meinerseits versuche, immer wieder herauszufinden, woran das Herz jedes einzelnen meiner Gemeindemitglieder hängt. So muss jeder Pastor sein eigenes Profil entwickeln.“

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