Mehr moderieren als dozieren
Schon in der Schulzeit hat Hans-Dieter Steinwender als Höhlenführer in Bad Grund im Harz erste Erfahrungen in der Erwachsenenbildung gesammelt. Während seines Studiums der Sozialen Arbeit hat sich sein Berufswunsch verfestigt. Heute arbeitet der 35-Jährige bei der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Niedersachsen e.V. als Beauftragter für das Qualitätsmanagement (QMB).
Hans-Dieter Steinwender ist dafür verantwortlich, dass seine Kollegen in der Erwachsenenbildung die vorgegebenen Normen und Vorgaben richtig umsetzen.
Foto: Tanja Borgschulte
Für seinen Arbeitgeber war Hans-Dieter Steinwender bereits während des Studiums tätig. „Ich war auf der Suche nach einem Praktikum und bin dann bei der LEB Niedersachsen hängen geblieben“, erzählt er. Seit April 2009 leitet der Bildungsreferent und ausgebildete Sozialpädagoge (M.A.) die Arbeitsstelle Qualitätsmanagement im Landesbüro in Hannover. Unter anderem ist er dafür verantwortlich, dass bei der Planung und Durchführung von Bildungsmaßnahmen die Kundenanforderungen und Qualitätsstandards – zum Beispiel der EU oder der Agenturen für Arbeit – eingehalten werden. „Ich schule meine Kollegen dahingehend, dass sie die Normen und Vorgaben, die wir einhalten müssen, umsetzen können“, erläutert Hans-Dieter Steinwender. „Um sie verständlich zu machen, ‚übersetze’ ich sie in Verfahrensanweisungen, die wiederum in Handbüchern und Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt werden, nach denen sich die Kollegen dann richten.“ Da die Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen auch mit öffentlichen Geldern finanziert wird, ist es wichtig, die Maßnahmen zur Qualitätssicherung entsprechend zu dokumentieren. „Die öffentliche Hand hat einen Anspruch darauf zu erfahren, was mit ihren Geldern passiert.“ Besonders hoch sind die Anforderungen an das Qualitätsmanagement dann, wenn die LEB mit den Agenturen für Arbeit zusammenarbeitet: „Im Bereich der beruflichen Orientierung und Qualifizierung müssen unsere Mitarbeiter und Dozenten regelmäßig geschult werden und wir müssen auch nachweisen, dass sie entsprechendes Zielgruppenwissen haben.“
Die Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen ist eines der Geschäftsfelder der LEB. Den größten Teil macht die gruppen- und vereinsbezogene Bildungsarbeit aus. „Im niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz ist niedergeschrieben, dass die Erwachsenen ihre Bildungsbedürfnisse selbst bestimmen. Aus diesem Grund erarbeiten wir mit zahlreichen ehrenamtlichen Gruppen und Vereinen Bildungsangebote“, sagt Hans-Dieter Steinwender. „Die Vorschläge dafür kommen häufig von den Gruppen selbst. Wir planen und begleiten dann die didaktische Aufbereitung und stellen gegebenenfalls den Kontakt zu den Referenten her.“ Dieser Netzwerkcharakter unterscheidet die LEB beispielsweise von den Volkshochschulen, die überwiegend ein fertiges Angebot vorlegen. „Obwohl es bei uns auch ein bestehendes Programm gibt, aus dem Interessenten wählen können.“
Vom Bildungsreferenten zum Stellenleiter
Vor seiner leitenden Tätigkeit im Qualitätsmanagement hat er bei der LEB fast sechs Jahre lang als Bildungsreferent gearbeitet – zuerst auf Honorarbasis, später projektbezogen befristet, wie die meisten Bildungsreferenten bei der LEB. Das hat sich zum Teil noch mit seinem Diplomstudiengang Soziale Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung sowie mit seinem anschließenden Masterstudium Soziale Arbeit, ebenfalls an der HAWK Hildesheim, überschnitten. Als Bildungsreferent hat Hans-Dieter Steinwender hauptsächlich Kurse der beruflichen Bildung geplant, durchgeführt und die Teilnehmenden sozialpädagogisch begleitet. „Natürlich gehört zur Durchführung mehr dazu. Lehrveranstaltungen müssen vorher sorgfältig geplant und organisiert werden. Erst einmal braucht man eine Idee für einen Kurs. Dann muss man die Interessentenkreise und die eigenen Ressourcen sondieren: Sind die potenziellen Teilnehmer etwa unter 25 oder über 50? Sind es nur Männer oder nur Frauen? Haben sie einen Migrationshintergrund? Betriebswirtschaftliche Aspekte spielen auch eine Rolle: Wie kann ich mein Angebot von dem anderer Anbieter abgrenzen? Wie baue ich ein optimales Kosten- und Leistungscontrolling auf?“
Beispielsweise hat Hans-Dieter Steinwender vor zwei Jahren eine Ausbildung zum Gästeführer durchgeführt. „Wir wollten orts- und heimatkundlich interessierte Menschen im Leinebergland ausbilden und sie dabei unterstützen, sich untereinander zu vernetzen, um dazu beizutragen, die Region touristisch besser zu erschließen“, sagt er. In Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement Leinebergland ist dies nachhaltig gelungen. Im Nachgang müssen die Seminare evaluiert werden, um festzustellen, wie die Schulung angekommen ist und ob – in diesem Fall – das Netzwerk tatsächlich auch langfristig aktiv ist.
Der Sozialpädagoge versteht sich viel mehr als Moderator und Lernberater denn als Dozent. „Die Frage ist: Wie motiviere ich die Leute, Interessen und Spaß daran zu haben, sich das Wissen zu erschließen?“, erklärt er.





