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Arbeiten für Europa

Die Politik in Brüssel ruht nie

Wer bei der Europäischen Union arbeiten will, wo Menschen aus aller Herren Länder zusammenkommen, sollte einiges an Kommunikationsgeschick mitbringen. "Politik ist ein Fulltime-Job", meint der Parlamentarische Referent Hendrik Biergans (30). Der gebürtige Rheinländer hat Germanistik an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg studiert — und in Brüssel seinen Traumberuf gefunden.

Das Parlamentsgebäude der EU in Strassburg.

Komunikationsgeschick ist gefragt - bei so vielen unterschiedlichen Nationen.

Foto: Europäisches Parlament — Referat Audiovisuelle Medien

Als Parlamentarischer Referent ist man Angestellter des Europäischen Parlaments, arbeitet aber jeweils für einen speziellen Abgeordneten. Hendrik Biergans ist Mitarbeiter der Christdemokratin Sabine Verheyen. Er und seine drei Referenten-Kollegen organisieren den Terminplan der Abgeordneten, beantworten Bürgeranfragen aus dem Wahlkreis, schreiben Pressemitteilungen – und halten so der vielbeschäftigten Parlamentarierin organisatorisch den Rücken frei. Die Arbeit von Hendrik Biergans spielt sich im Europäischen Parlament ab, oder genauer, in den Fachausschüssen und Arbeitsgruppen. Denn dort werden die Details der europäischen Richtlinien – so nennt man Gesetze auf EU-Ebene – vorverhandelt, bevor diese im Parlament zur Abstimmung kommen.

Im Team von Sabine Verheyen ist Hendrik Biergans für den Ausschuss für Kultur und Bildung zuständig, wo vom europäischen Kulturaustausch über Bildung und Hochschulen, Freizeit, Jugend und Sport bis hin zur Medienpolitik die unterschiedlichsten Fachthemen behandelt werden. Ein weites Feld, zu dem die Abgeordneten unmöglich alle Einzelheiten im Kopf haben können. Hier kommen die Referenten ins Spiel: „Alle wichtigen Informationen sammeln, abwägen, auswerten, und dann für die Abgeordneten in Form kurzer und prägnanter Briefings auswerten – das ist ein wichtiger Teil unseres Jobs.“

Expertengespräche führen

Foto von Hendrik Biergans.

Hendrik Biergans

Foto: Privat

Um an diese Informationen zu kommen, ist Hendrik Biergans zusammen mit Sabine Verheyen bei den Sitzungen dabei, führt Expertengespräche und tauscht sich mit anderen Akteuren des politischen Systems aus. Nicht nur mit Parlamentariern, sondern auch mit Vertretern der Europäischen Kommission und mit Referenten der nationalen Fachministerien – denn auch diese Institutionen nehmen am komplizierten europäischen Gesetzgebungsprozess teil. Politik ist ein Fulltime-Job, in Brüssel genauso wie anderswo: „Die Abgeordneten müssen gut vernetzt sein, Meinungen einholen, Mehrheiten abschätzen und organisieren, potentielle Mitstreiter und Verbündete ausfindig machen.“ Und zwar nicht nur im Parlament, sondern auf allen Ebenen, überall, zu jeder Zeit. „Auch bei Abendveranstaltungen werden wichtige Gespräche geführt. Die Politik in Brüssel ruht nie.“ Die Aufgabe der Abgeordneten und ihrer Referenten bedeutet also vor allem: „Kommunikation. Das ist das A und O!“

Da trifft es sich doch gut, dass er Diplom-Germanistik und Kommunikationswissenschaften mit dem Nebenfach Psychologie studiert hat, oder? „Sicher, mein Studium hat mich gut auf meine heutigen Aufgaben vorbereitet.“ Wichtiger als das Fachwissen sei aber eher die Arbeitsweise, die man im Studium erwirbt: „Selbstorganisation, das Verarbeiten von zahlreichen und komplexen Informationen, strukturiertes und analytisches Denken“ – Grundkompetenzen, mit denen man sich in alle Fachgebiete hineinarbeiten könne. Findet die Vorbereitung auf Brüssel also ausschließlich im Studierstübchen statt? „Nein, es ist auch wichtig, was du außerhalb deines Studiums machst“, so der Diplom-Germanist. Hendrik Biergans hat die Studienzeit genutzt, seinen Horizont zu erweitern. Er hat Kulturevents organisiert, Musik gemacht, Lesungen gehalten, am Theater gespielt.

Praktikum als Türöffner für Brüssel

Neben dieser Vielseitigkeit habe ihm vor allem ein Praktikum die Türen zu seinem Traumberuf in Brüssel geöffnet, meint Hendrik Biergans. Ein Jahr vor Studienende hat er vier Monate im Büro eines Abgeordneten gearbeitet. Mit diesem Praktikum, seinem interessanten Lebenslauf, seinen guten Sprachkenntnissen in Englisch und Französisch sowie seinen ausgezeichneten Noten hat er sich nach dem Abschluss eigeninitiativ auf einen Referentenposten bei der Abgeordneten Sabine Verheyen beworben – und seinen Traumjob prompt bekommen: „Mein Lebenslauf hat wohl überzeugt, aber es war sicher auch Glück mit dabei: Die Chemie beim Vorstellungsgespräch hat einfach sofort gestimmt.“

Spannend an seiner Tätigkeit findet er nicht nur seine Aufgaben, sondern auch das Umfeld: „Brüssel ist eine aufregende, multikulturelle Stadt. Hier geht die Post ab, weil junge Leute aus aller Herren Länder aufeinandertreffen.“ Gleichzeitig ist es aber auch eine Herausforderung, wenn verschiedenste Mentalitäten zusammen leben und Politik machen. Das erfordere vor allem Toleranz und Weltoffenheit – einfach eine gewisse Lockerheit im Umgang mit den Menschen. Kein Problem für den überzeugten Europäer, der seine rheinländische Gelassenheit auch im hektischen Brüsseler Politikbetrieb nicht verloren hat: „Wie sagt man zuhause so schön: Jeder Jeck tickt anders!“

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Europäisches Parlament

Deutschsprachiges Informationsbüro rund um die Aufgaben und Aktivitäten des Europäischen Parlaments.

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Unter den Linden 78
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Tel.: +49 (030) 2280 - 1000
Fax: +49 (030) 2280 - 1111
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