Lehren, Lernen und Leben
Sie ist kommunikativ, hat Erfahrung im Unterrichten und spricht mehrere Sprachen: Damit ist Betina Sedlaczek (26) eine gute Kandidatin, um den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) als Sprachassistentin im Ausland zu vertreten. Bei ihr hat es sogar mit dem Wunschziel Australien geklappt.
DAAD Sprachassistenten können an Hochschulen in 110 Ländern tätig werden.
Foto: Dörfler
Von März bis November 2010 hat Betina Sedlaczek an der Universität Melbourne mit Deutschstudierenden gearbeitet. Im ersten Semester stand sie an vier Tagen pro Woche insgesamt elf Stunden vor der Klasse, im zweiten Semester waren es bereits 13 Stunden. „Freitags habe ich meine Kurse und Seminare vorbereitet oder an der Uni wissenschaftliche Kurse zu Themen aus Literatur und Kultur besucht.“ Betina Sedlaczek hat Deutsch auf allen Lernniveaus unterrichtet. „Teilweise habe ich ganz von vorne angefangen“, erinnert sich die 26-Jährige. „Wir haben einkaufen geübt, Körperteile benannt und mit Rollenspielen das Verhalten beim Arzt trainiert.“
Selbstständiges Arbeiten
Daneben hat sie Konversationskurse gegeben und aktuelle Themen aus Politik, Kultur und Wirtschaft besprochen, so wie beispielsweise die Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten oder die Ölpest im Golf von Mexiko. Studierenden mit Vorkenntnissen hat sie im Rahmen von Landeskundeseminaren die Kultur und Gepflogenheiten der Deutschen näher gebracht. „Ich habe sehr selbstständig arbeiten dürfen“, freut sich die ehemalige Sprachassistentin. Sie hat ihre Kurse größtenteils selbst konzipiert und stand allein vor der Klasse.
Unterrichten macht Betina Sedlaczek Spaß, und sie hat schon viel Erfahrung. So hat die Leipzigerin Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Anglistik studiert. Schon während des Magisterstudiums hat sie am Herder-Institut der Universität Leipzig ausländischen Studierenden Deutsch beigebracht. Reichlich Auslandserfahrung hat Betina Sedlaczek ebenfalls gesammelt. Nach dem Abitur hat sie ein Jahr als Deutschassistentin an einem College im englischen Loughborough gearbeitet. „Ich habe hospitiert und durfte dann auch schon unterrichten.“ Und nebenbei hat sie ihr Englisch natürlich erheblich verbessert.
Während des Studiums hat Betina Sedlaczek ein Auslandssemester in Krakau eingelegt und dort Englisch studiert. „Ich habe mich schon länger für Polen interessiert und wollte noch eine weitere Sprache lernen“, erklärt sie die Wahl des Gastlandes. Und weil sie vom Unterrichten nicht lassen kann, hat sie am Goethe-Institut in Krakau auch Deutschkurse gegeben.
Da war es kein großer Schritt, nach dem Studium eine Bewerbung als Sprachassistentin beim DAAD einzureichen. Dass es dann auch mit dem Wunschziel Australien geklappt hat, passte ihr ausgesprochen gut ins Konzept. „Da war die Sprachassistenz klasse, weil ich die Zeit in Melbourne nutzen konnte meine Dissertation zu Sprachverwendungserfahrungen und Sprachlernbedürfnissen internationaler Studierender vorzubereiten und eine andere Hochschulkultur kennenzulernen.“ Die Universität Melbourne wirbt um australische und internationale Studierende mit der Einführung des Melbourner Modells. Hierbei belegen die Studierenden neben ihrem Hauptstudiengang Fächer aus ganz anderen Bereichen. Beliebt ist das Studium einer Fremdsprache, was die Anzahl der Deutschstudierenden gerade im Bereich der Anfängerklassen in den vergangen Jahren erhöht hat.
Doppelt profitieren
Von den neun Monaten in Australien profitiert Betina Sedlaczek eigentlich dreifach: In ihrer Doktorarbeit kann sie nun das australische Bildungsmodell mit dem deutschen vergleichen. Als DAAD-Sprachassistentin hatte sie viele Freiheiten und gab viele Kurse in Eigenregie. Und: Neben dem Lernen und Lehren blieb auch noch Zeit zum Reisen. „Ich habe mir die ,Insel‘ angeschaut und bin beeindruckt von der faszinierenden Landschaft. Mein Leben in Australien war eine sehr schöne Erfahrung.“
Und es soll nicht die letzte sein, findet die 26-Jährige. „Ich möchte meine Doktorarbeit in drei Jahren geschrieben haben und dann am liebsten als DAAD-Lektorin ins Ausland gehen.“ Dabei muss es nicht unbedingt wieder Australien sein, England oder Polen sind für sie reizvolle Alternativen: „Aber ich bin da völlig offen.“





