Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Sprache im Kontext verstehen

Frau mit Headset sitzt hinter ihrem Rechner. Foto: Axel Jusseit
Technische Hilfsmittel unterstützen Übersetzer bei der Arbeit, können Fachwissen und Sprachgefühl jedoch nicht ersetzen.
Foto: Axel Jusseit

Übersetzerin

Sprache im Kontext verstehen

Ein Hauch Wall Street: Elena Zerlin (26) arbeitet in einem Übersetzungsbüro, das auf Themen rund um Finanzen spezialisiert ist. Bei ihrer Tätigkeit muss sie auf alle sprachlichen Feinheiten achten.

Arbitrage, Defizitkriterium, Euribor: Wer wie Elena Zerlin Fachtexte aus der Finanzwelt aus dem Englischen ins Deutsche und umgekehrt übersetzt, muss nicht nur beide Sprachen richtig gut beherrschen, sondern auch wissen, worum es eigentlich geht. „Ob Geschäfts- oder Finanzberichte, Börsenpräsentationen oder Pressemeldungen, die Welt der Finanzen hat eine fachspezifische Sprache“, erzählt die 26-Jährige. Selbst wenn man alle Wörter kennt, gibt es Bedeutungsebenen, die sich einem Laien nicht erschließen. „Ich muss im Kontext denken, um auch die Feinheiten richtig deuten zu können.“

Wichtig ist zudem eine sehr gute Recherchekompetenz: „Manche Texte sind schnell geschrieben und sprachlich nicht ganz ausgereift. Werden viele Abkürzungen verwendet, muss ich wissen, wo ich diese nachschlagen kann. Einfach eine Suchanfrage im Internet starten, reicht nicht aus“, so die Übersetzerin. Auch Teamwork ist gefragt. Schließlich müssen die Übersetzungen exakt und unmissverständlich sein. Um für eine möglichst hohe Qualitätssicherheit zu sorgen, arbeiten viele Übersetzer nach dem Vier-Augen-Prinzip.

IT-Affinität im Homeoffice

Portrait von Elena Zerlin. Foto: Privat

Elena Zerlin

Foto: Privat

Anders als die meisten Übersetzer arbeitet Elena Zerlin nicht freiberuflich, sondern ist festangestellt. Sie ist für ein kleines, auf Finanzen spezialisiertes Übersetzungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt tätig, zu dessen Kunden unter anderem die Gruppe Deutsche Börse gehört. Doch statt in der Mainmetropole sitzt Elena Zerlin den Großteil ihrer Arbeitszeit an ihrem Schreibtisch in Würzburg. Das Kernteam trifft sich außerdem regelmäßig in Frankfurt, um Projekte zu besprechen: „Homeoffice ist sehr gut umsetzbar, weil die Kommunikation über spezielle, abgesicherte Plattformen gut funktioniert.“ Da viele Unterlagen vertraulich sind, ist auch Datenschutz ein wichtiges Thema.

Generell müssen Übersetzer eine Affinität zur IT mitbringen. Ausgefeilte Übersetzungsprogramme unterstützen die Arbeit: „Man kann in die Übersetzungstools sogenannte ‚Translation Memories‘, also Datenbanken vorheriger Übersetzungen, oder auch zwei- oder mehrsprachige Fachsprachendatenbanken einbinden, wodurch der Übersetzungsprozess effizienter wird.“

„Ohne Fachwissen geht es nicht“

Elena Zerlin hat sich in die Welt der Börsen und Unternehmensbilanzen erst einarbeiten müssen. Zumal ihr Schwerpunkt im Masterstudium Fachübersetzen an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt auf Technik und Life-Sciences lag. „Das Seminar einer Dozentin, die ich im Bachelorstudium kenngelernt habe, hat mir besonders gefallen. Ich habe sie angesprochen und daraus hat sich ein Praktikum und schließlich ein Stellenangebot bei meinem jetzigen Arbeitgeber ergeben“, erzählt die 26-Jährige.

Vor ihrem Masterstudium hat sie im Bachelor Sprach-, Kultur- und Translationswissenschaft an der Universität Mainz studiert. Aber auch andere Zugangswege in den Beruf sind möglich, wie der Geschäftsinhaber von Elena Zerlins Übersetzungsunternehmen beweist: Er war als Banker jahrelang in London für ein großes Bankhaus tätig und hat sich später auf Übersetzungen spezialisiert. Zwar darf sich in Deutschland jeder Übersetzer nennen, da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Aber mit Sprachbegabung allein kann man diese Dienstleistung nicht erbringen: „Ohne Fachwissen geht es nicht“, betont die Sprachexpertin.

abi>> 07.09.2017