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Im Einsatz für mehr Ethik

Eine Compliance-Managerin schreibt ein Konzept zum Thema Compliance auf ein Whiteboard.
Compliance-Manager stellen Richtlinien für ethisches Verhalten im Unternehmen auf.
Foto: Thomas Lohnes

Compliance-Managerin

Im Einsatz für mehr Ethik

Compliance-Manager kämpfen in Unternehmen, Behörden und Organisationen gegen Korruption und unethisches Verhalten. Eine von ihnen ist Sarah Wegener (33). Sie kümmert sich beim Online-Händler Zalando in Berlin darum, dass sich niemand auf unlauterem Weg Vorteile verschafft.

Compliance-Manager sind mehr als nur „Betriebspolizisten“: Sie haben zwar vorrangig die Aufgabe, darüber zu wachen, dass Rechtsvorschriften und ethische Grundsätze in allen Bereichen eines Unternehmens eingehalten werden. Voraussetzung dafür, dass sich die Mitarbeiter an die Regeln halten, ist allerdings eine bestimmte Unternehmenskultur. Diese zu schaffen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Compliance-Managers, deshalb gestalten sie federführend die Konzernrichtlinien mit.
Genau das macht Sarah Wegener. Die 33-Jährige ist Compliance-Managerin beim Online-Modehändler Zalando in Berlin. Sie ist Juristin mit dem Schwerpunkt Strafrecht. Als Strafverteidigerin hat sie früher Unternehmen unter anderem in Fällen von Korruption und Steuerhinterziehung vertreten. So kam sie mit Wirtschaftsthemen in Kontakt und fand Gefallen am Unternehmensumfeld. Der Gedanke reifte in ihr, sich beruflich dorthin zu orientieren. Das Berufsbild Compliance-Manager sprach sie sehr an, und sie musste aufgrund ihrer Vorkenntnisse auch keine besondere Weiterbildung absolvieren. „Hier kann ich meine Kenntnisse und Erfahrungen im Strafrecht mit Beratungstätigkeit kombinieren – das liegt mir einfach“, bringt sie es auf den Punkt.

„Juristischer Berater, Prozessmanager und Kommunikator in einem“

Ein Porträt-Foto von Sarah Wegener

Sarah Wegener

Foto: privat

Nach einer ersten Station in einem anderen Unternehmen kam Sarah Wegener 2017 zu Zalando, wo sie auch noch andere Fähigkeiten in ihren Beruf einbringen kann. „Als Compliance-Manager ist man vieles gleichzeitig: juristischer Berater, Prozessmanager, Kommunikator, manchmal Journalist. Man braucht ein gutes interkulturelles Verständnis. Auch umfangreiche Sprachkenntnisse sind oft von Vorteil“, betont sie. Denn international agierende Unternehmen sollten im Rahmen des rechtlich Zulässigen auch länderspezifische Gewohnheiten berücksichtigen.
Wie soll sich beispielsweise ein Mitarbeiter verhalten, dem der Geschäftspartner bei einem Termin im Ausland ein Gastgeschenk überreichen will? Er darf es eigentlich nicht annehmen, stößt aber den Gastgeber vor den Kopf, wenn er ablehnt. Das sei ein ständiger Spagat, meint auch Sarah Wegener. Eine Zurückweisung könne in anderen Ländern als unhöflich gelten „Das ist schon manchmal komplex“, betont die Juristin.

Vielfältige Aufgaben, breit gefächerte Fähigkeiten

Bei ihrem Einsatz für die rechtliche und moralische „Compliance“, sprich Regelkonformität, hat Sarah Wegener einen abwechslungsreichen beruflichen Alltag mit vielfältigen Aufgaben: Sie entwickelt zum Beispiel das sogenannte Compliance Management System (CMS) des Unternehmens weiter und achtet darauf, dass es eingehalten wird. Dabei geht es im Prinzip darum, die Richtlinien systematisch abzubilden, sie zum Beispiel bei Schulungen zu kommunizieren und die Einhaltung zu überwachen.
„Mal beschäftige ich mich mit dem CMS, mal arbeite ich direkt in Projekten mit oder befasse mich mit strafrechtlichen oder kartellrechtlichen Themen. Sehr wichtig ist es aber auch, Kommunikationswege aufzutun, um die Mitarbeiter zu erreichen“, sagt sie. Inzwischen gibt es zum Beispiel technische Werkzeuge, die die Compliance-Arbeit unterstützen, etwa Whistleblowing-Tools, mit denen Mitarbeiter den Verdacht eines Regel- oder Gesetzesverstoßes melden können – auch anonym.
Kommunizieren und Netzwerken sind auch Grundelemente ihres Engagements im Berufsverband der Compliance Manager (BCM). Der Verband unterstützt nicht nur seine Mitglieder oder Berufsanfänger mit Informationen und Kontakten, sondern informiert auch alle, die sich für das Berufsbild interessieren.
„Genau diese Vielfalt ist es, die einen für diesen Beruf befähigt. Vor allem ist es eine Mischung aus fachlicher Kompetenz – sei es rechtliche oder wirtschaftliche –, internationalem Interesse, Kommunikationsfähigkeit, aber auch der Fähigkeit, Generalist und ‚open minded‘ zu sein“, ist Sarah Wegener überzeugt.

abi>> 13.07.2018