Die Welt mit modernen Techniken entdecken
"Mein Beruf muss mit Geo zu tun haben" — das stand für Daniel Müller (22) aus Potsdam schon in der Schule fest. Der Erdkunde-Begeisterte gehört zu den ersten, die den neuen Beruf des Geomatikers erlernen. Im August 2010 startete er seine Ausbildung bei der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) in seiner Heimatstadt, wo er beispielsweise Lagepläne und Kartenmaterial für Navigationssysteme erstellt.
Der Anfang aller Lagepläne sind Vermessungsdaten, die vor Ort ermittelt werden.
Foto: Borgschulte
Potsdamer, die Behördengänge zu erledigen haben, werden sich künftig dank Daniel Müller besser orientieren können. „Wir erstellen einen Lageplan für die Heinrich-Mann-Allee, der auch als Basis für eine Online-Anfahrtsskizze dienen wird“, erläutert Daniel Müller sein aktuelles Projekt. „Zurzeit arbeite ich an der Hausnummer 103, einer großen Liegenschaft, auf der viele Verwaltungseinrichtungen angesiedelt sind. Zum Beispiel das Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz.“ Für diese Aufgabe beschafft er zunächst Geodaten wie bereits vorhandene Vermessungsergebnisse, Luftaufnahmen und Grundrisse des Geländes aus verschiedenen Quellen wie externen Behörden und Datenbanken. Das Material wird mit einer speziellen Software abgezeichnet oder eingescannt und digitalisiert.
Dann beginnt die Arbeit, die dem Azubi am meisten Spaß macht: die grafische Gestaltung am PC. „Ich habe genügend Zeit und Spielraum, um mich kreativ austoben.“ Er experimentiert mit Farben und Effekten und schöpft die gestalterischen Möglichkeiten aus, die ihm das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop oder ArcGis, ein Programm zur Erstellung von 2D-Karten oder 3D-Globen, bieten. So entsteht ein aktueller Lageplan, mit dem die LGB beispielsweise gedruckte Karten oder animierte Anfahrtsskizzen im Internet erzeugen kann. Darüber hinaus gestaltet die LGB gegen Gebühr unter anderem auch Flugblätter mit Kartenausschnitten für private Unternehmen oder stellt den Anbietern von Kartenmaterial für Navigationsgeräte geografische Grunddaten zur Weiterverarbeitung zur Verfügung.
Geodaten berechnen und visualisieren
Den Umgang mit vermessungstechnischen CAD-Programmen konnte sich Daniel Müller in einer betrieblichen Schulung aneignen. Alle fünf bis sechs Wochen werden im Betriebssitz der LGB in Frankfurt/Oder einwöchige Lehrgänge zu fachspezifischen Themen wie Lagevermessung, vermessungstechnische und geodätische, das heißt die Erdoberfläche betreffende, Berechnungen angeboten. Im Ausbildungsbetrieb lernte er bisher neben der Kartenherstellung die hauseigene Druckerei, den Kartenvertrieb und das Kartenlager kennen. Zwei Wochen Arbeit im Betrieb wechseln sich mit einer Woche Berufsschulunterricht ab.
„Im ersten Ausbildungsjahr lernen wir die gleichen Inhalte wie angehende Vermessungstechniker“, erklärt der 22-Jährige. Dazu zählen naturwissenschaftliche und mathematische Grundlagen der Geoinformationstechnologie sowie das Erfassen und Visualisieren von Vermessungsergebnissen. Im zweiten und dritten Lehrjahr spezialisieren sich künftige Geomatiker nicht nur darauf, Geodaten zu bewerten, zu erfassen und zu bearbeiten. Sie bauen auch Geoinformationssysteme auf, um einen effizienten Austausch von Geodaten zu ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise Datenbanken mit hoch auflösenden Luftbildern, auf die Gemeinden bei ihrer Arbeit zugreifen können. „Die technische Entwicklung in den Betrieben und der Verwaltung erforderten eine Modernisierung und Anpassung der Kartografieausbildung“, erläutert Holger Kielblock, Ausbilder bei der LGB. „Deshalb ersetzt der Ausbildungsberuf mit dem neuen Namen Geomatiker seit 2010 den des Kartografen. Bei den Lehrinhalten spielen nun auch die neuen Bereiche wie Geodateninfrastruktur, GPS, Geoinformations- und Navigationsanwendungen sowie Kartendienste im Internet eine große Rolle.“
Für Daniel Müller war die berufliche Perspektive für Geomatiker ein besonders interessanter Aspekt. „Meiner Meinung nach ist es ein zukunftssicherer Beruf, da Geodaten überall vorhanden sind und genutzt werden.“ Holger Kielblock bestätigt: „Die Geoinformationstechnologie ist eine Wachstumsbranche. Gesucht werden junge Menschen, die Lust haben, die Welt mit modernsten technischen Möglichkeiten zu entdecken.“ Zum Beispiel bei Dienststellen des Vermessungs- oder Katasterwesens, in Betrieben und Verlagen der Kartografie oder in Gemeinden und Städten. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie gewissenhaftes und sorgfältiges Arbeiten hält der Ausbilder für besonders wichtig. Als Weiterbildungsmaßnahme empfiehlt er einen Bachelorstudiengang in Geomatik. Ein Karriereschritt, den Daniel Müller nicht ausschließen möchte. Aber: „Erst einmal konzentriere ich mich darauf, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.“





