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Schneller, präziser, günstiger

Ein Robotor mit Gelenkarm.
Roboter: Die elektronischen Helfer lackieren und montieren Karosserien, verpacken Lebensmittel und Shampoo oder polieren künstliche Hüftgelenke.
Foto: Hönninger

Robotik und Automation

Schneller, präziser, günstiger

Roboter, die Patienten vom Bett zum Rollstuhl tragen und ihnen das Mittagessen servieren, eine künstliche Robbe mit schwarzen Kulleraugen, die Therapieerfolge bei alten und demenzkranken Menschen vorweisen kann — das alles sind keine Zukunftsvisionen, sondern in Japan bereits Realität. Und auch in Deutschland wird sich in den nächsten Jahren im Bereich der Robotik einiges tun. Gute Chancen also für Hochschulabsolventen.

Die Robotik ist eine Wachstumsbranche“, weiß Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) Robotik + Automation. Dr.-Ing. Gerhard Schrott vom Lehrstuhl für „Robotics and Embedded Systems“ an der TU München sieht vor allem bei den sogenannten Service-Robotern Wachstumspotenzial. Das sind elektronische Helfer, die beispielsweise Staub saugen, Rasen mähen oder als Spielzeugroboter dem Zeitvertreib von kleinen und großen Technikfans dienen. Oder eben bei denen, die Fachkräfte in der Pflege unterstützen. „Hier wird in den kommenden Jahren viel geforscht und entwickelt werden“, ist er sich sicher.

Aber Roboter können noch viel mehr und sind schon seit  Jahren im Einsatz: Die sogenannten Industrieroboter werden vor allem in der Automobil- und in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt, sowie in der Pharmazie, der Medizintechnik, der Kosmetik und der Kunststoffindustrie. Die elektronischen Helfer lackieren und montieren Karosserien, verpacken Lebensmittel und Shampoo oder polieren künstliche Hüftgelenke.

Fächerübergreifendes Feld

Insgesamt sind in der Robotik- und Automationsbranche rund 25.000 Mitarbeiter beschäftigt, aus vielen Fachrichtungen. „Es ist ein fächerübergreifendes Feld“, sagt Dr. Schrott. „Ingenieure für Maschinenbau konstruieren die Maschinen, Elektrotechnikingenieure optimieren die Regelung der Motoren und Informatiker programmieren die Systeme“, nennt er einige Beispiele.

Jan Leininger

Jan Leininger

Foto: Privat

Einer dieser Mitarbeiter ist Jan Leininger. Der 28-Jährige arbeitet zurzeit für gut drei Monate in der Slowakei. In Bratislava baut ein großer deutscher Autohersteller ein neues Werk, inklusive Lackiererei für die Automobilkarosserien. Diese liefert Jan Leiningers Arbeitgeber, die Eisenmann AG. Der 28-jährige Ingenieur hilft dabei, die Anlage in Betrieb zu nehmen, zusammen mit rund 50 Kollegen. Normalerweise arbeitet er am Stammsitz seines Arbeitgebers in Böblingen im Bereich Forschung und Entwicklung. „Und genau das finde ich so spannend an der Robotik und Automation: Man muss dafür sorgen, dass alle Komponenten einer Anlage zusammenpassen. Elektrik, Sensoren, Mechanik, Software, die Schnittstellen zu anderen Maschinen – solch eine Anlage ist eine hochkomplexe Angelegenheit.“ Jan Leininger ist ebenfalls für eine Komponente zuständig: Er sorgt dafür, dass die Roboter in der Farbmischanlage mit Farbe versorgt werden.

Der Softwareentwickler hat an der Hochschule Heilbronn Robotik und Automation studiert und nach seinem Bachelorabschluss zunächst an der Hochschule gearbeitet. Als er die Stellenausschreibung bei Eisenmann entdeckte, bewarb er sich und wurde bereits kurz darauf nach Bratislava geschickt. „Eigentlich bin ich im Innendienst eingesetzt“, erklärt Jan Leininger. „Aber es ist für meine Arbeit sehr hilfreich, sich die Software, die ich programmiere, auch mal im Einsatz vor Ort anzusehen.“

Positive Entwicklung

Die Robotik- und Automationsbranche gliedert sich in drei Bereiche: Neben der Robotik gehören noch die Montage- und Handhabungstechnik sowie die Industrielle Bildverarbeitung dazu. Bei der Montage- und Handhabungstechnik geht es um alles, was zusammengebaut werden muss – vom Kugelschreiber bis zur Waschmaschine. Die Industrielle Bildverarbeitung hingegen wird vor allem zur Qualitätskontrolle genutzt, mit dem Einsatz von Kameras.

Zusammen erreichten die drei Bereiche 2010 einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro, ein großer Teil davon wurde im Ausland erwirtschaftet. Für 2011 erwartet der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Fachbereich Robotik + Automation, ein Umsatzwachstum von 18 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. „Gut die Hälfte unseres Umsatzes machen wir in der Automobilindustrie, sowohl bei den Herstellern als auch bei den Zulieferern. Die andere Hälfte des Umsatzes wird in der Elektro- und Elektronikindustrie, in der metallverarbeitenden Industrie, in der Kunststoff- und Gummiindustrie, bei Werkzeugmaschinenherstellern und in vielen weiteren Branchen erzielt“, erklärt Thilo Brodtmann, Geschäftsführer VDMA Robotik + Automation.

Aufgrund der positiven Entwicklung in der Branche schätzt auch Thomas Jantzer, Personalleiter bei der Manz Automation AG in Reutlingen, die Chancen für Einsteiger derzeit sehr gut ein. Manz Automation ist ein Hightech-Maschinenbauer, der Anlagen zur Herstellung von kristallinen Solarzellen und Dünnschicht-Solarmodulen, von Flachbildschirmen sowie von Lithium-Ionen-Batterien anbietet. „Wir arbeiten in einer Branche mit hohen Wachstumsraten“, meint der Personalleiter. „Das bedeutet, dass unsere Nachwuchskräfte schnell Verantwortung übernehmen können.“

Manz sucht vor allem Maschinenbau- und Elektroingenieure, Physiker, Verfahrenstechniker, Technische und Wirtschafts-Informatiker, Chemiker sowie Absolventen aus den Bereichen Optik, Mechatronik und Automatisierungstechnik. „Die jungen Ingenieure werden zunächst in unsere Techniken eingeführt, indem sie in der Montage und in der Inbetriebnahme eingesetzt werden“, erklärt der Personalchef. „Danach spezialisieren sie sich in einem der drei Bereiche Software, Konstruktion oder Prozesstechnik.“ Auszubildende lernen bei Manz die Berufe Mechatroniker, Elektriker für Betriebstechnik, Industriemechaniker, Industriekaufmann oder Fachinformatiker für Systemintegration. Duale Studiengänge mit verschiedenen technischen Fachrichtungen sind ebenfalls sehr begehrt. Auch die ABB AG in Mannheim und die Festo AG & Co. KG in Esslingen suchen vor allem Absolventen der Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Mechatronik.

„Der Hightech-Maschinenbau für wachsende Branchen ist sehr schnelllebig und dynamisch“, erklärt Thomas Jantzer. „Daher muss man viel Enthusiasmus und Spaß am Entdecken mitbringen.“ Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, empfiehlt der Personalleiter, Praktika zu machen oder die Bachelorarbeit in einem Unternehmen zu schreiben.

abi>> 29.07.2011