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Lebensmittelbranche

Branche mit wachsendem Bedarf

Die Lebensmittelbranche gehört zu den vier größten Industriezweigen in Deutschland. Neben einigen großen Konzernen werden Lebensmittel vor allem von einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen hergestellt. Mit der steigenden Automatisierung der Produktion wächst auch der Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften.

Auf dem Foto sind Snacks zu sehen.

Die Lebensmittelbranche hat viele Jobs im Repertoire.

Foto: Rehm/WillmyCC

Nicole Klein-Kneisel sorgt dafür, dass von Lebensmitteln keine Risiken für den Verbraucher ausgehen. Beim Lebensmittelkonzern Nestlé führt die staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin als Food-Safety-Managerin Gefährdungsanalysen durch. Was bereits von der Laboranalytik untersucht wurde, bewertet und beurteilt sie. „Dreh- und Angelpunkt der Lebensmittelsicherheit ist das HACCP-System“, erklärt Nicole Klein-Kneisel, die seit 15 Jahren bei dem Konzern beschäftigt ist. HACCP steht für „Hazard Analysis and Critical Control Points“, ein System, das vorbeugend alle Gefahren für die Gesundheit ausschließen will. Angefangen von den eingehenden Rohstoffen, die zum Beispiel auf Keime, Pestizid- oder Arzneimittelrückstände untersucht werden, bis hin zur Prozessüberwachung bei der Herstellung von Lebensmitteln wird dabei alles bedacht, was die Sicherheit beeinträchtigen könnte. „Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter in der Herstellung bestimmte Hygienevorschriften einhalten müssen“, erklärt die 40-Jährige. Nicole Klein-Kneisel, die am Standort Frankfurt in der Abteilung Quality Management arbeitet, ist deshalb oft unterwegs, um den Mitarbeitern in den Produktionsstätten beratend zur Seite zu stehen. Zu ihren Aufgaben gehört aber nicht nur, die Mitarbeiter in punkto Hygiene zu schulen, sondern auch Maschinen und Geräte für die Produktion zu beurteilen und mit auszuwählen. „Bei den Maschinen muss zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass sie Fremdstoffe erzeugen oder Schmierstoffe abgeben“, sagt die Food Safety Managerin.

Über 500.000 Beschäftigte

Nicole Klein-Kneisel ist eine der rund 544.000 Arbeitnehmer, die nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) 2010 in der Branche beschäftigt waren. Der Umsatz belief sich auf rund 150 Milliarden Euro, die knapp 5.900 Betriebe erwirtschafteten. „90 Prozent der Betriebe, die Lebensmittel produzieren, sind kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Die Ernährungsindustrie ist Teil einer Wertschöpfungskette: Die Kette beginnt bei den Erzeugern, also den Landwirten, und endet beim Handel beziehungsweise in der Gastronomie“, weiß Dr. Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der BVE.

Ein Viertel des erzielten Gesamtumsatzes entfiel 2010 auf Fleisch und Fleischprodukte. Milch und Milchprodukte nehmen den zweiten Rang ein, gefolgt von Backwaren, alkoholischen Getränken und Süßwaren. Ein Anteil von rund 28 Prozent am Umsatz ist dem Export zu verdanken. Dieser Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen. Die meisten Güter werden innerhalb der EU abgesetzt.

Bis Oktober 2011 ist der Gesamtumsatz der Branche im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent gestiegen. Auch für 2012 ist die Branche optimistisch und rechnet laut BVE mit einer stabilen Umsatzentwicklung. Einen Strich durch die Rechnung machen könnten der Lebensmittelindustrie allerdings weiterhin steigende Rohstoffpreise.

Noch ist aber auch im Bereich der Arbeitsplätze ein Zuwachs zu verzeichnen. „Die Arbeitslosigkeit ging zurück, und mit rund 15.500 gemeldeten Arbeitsstellen im Jahresverlauf 2011 wurden zwei Prozent mehr Offerten gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Darunter waren 160 Stellen für Akademiker“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Akademische Fachkräfte sind mit nur 5 Prozent unterdurchschnittlich in der Branche vertreten“, meint er. „Im Zuge der wachsenden Automatisierung der Fertigungsprozesse nimmt aber auch hier der Bedarf zu. In den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze von Akademikern im Lebensmittel- und Getränkebereich um 17 Prozent.“ Die Danone GmbH beispielsweise sucht Absolventen der Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen, Lebensmitteltechnologie, Lebensmittelverfahrenstechnik oder Ökotrophologie. Unilever stellt außerdem Maschinenbauingenieure, Lebensmittelchemiker und Chemieingenieure ein, und bei Edeka haben auch IT- und Logistik-Experten gute Chancen. „Die Jobchancen lassen sich verbessern, wenn man bereits ein Praktikum absolviert oder die Abschlussarbeit in einem Unternehmen geschrieben hat. Für Management- und Koordinierungsaufgaben in diesen Bereichen wird eher ein Masterabschluss erwartet. Allerdings kann man auch mit dem Bachelor einsteigen und nach einigen Jahren Berufserfahrung entsprechende Leitungsaufgaben übernehmen“, sagt Dr. Elvira Krebs, Geschäftsführerin des Verbands der Oecotrophologen (VDOE).

Trends: Süßes und Gesundes

Die von der Branche angebotenen Ausbildungsberufe reichen von Milchwirtschaftlichen Laboranten über Mechatroniker und Kaufleute für Bürokommunikation bis zu den Chemikanten. Für die einzelnen Segmente der Lebensmittelbranche gibt es teilweise auch spezialisierte Ausbildungen, zum Beispiel für die Herstellung von Süßwaren. „Es herrscht eine große Nachfrage an Fachkräften für Süßwarentechnik. Der Bedarf ist so hoch wie noch nie“, weiß Ernst Kammerinke vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. „Die dreijährige Erstausbildung an der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen kann auch für Abiturienten interessant sein, die einen Berufseinstieg suchen, um sich anschließend weiter zu qualifizieren.“ Nachfrage bestehe auch nach Lebensmitteltechnologen mit den Studienschwerpunkten Back- und Süßwarentechnologie.

Insgesamt lässt sich nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie aber vor allem ein Trend in Richtung Qualität und Nachhaltigkeit erkennen: Die Verbraucher wollen qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel zu einem möglichst günstigen Preis. Neben Bio-Lebensmitteln sind vor allem Fairtrade-Produkte und regionale Güter gefragt.

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