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Es lebe die Vielfalt

Auf dem Bild ist ein junger Mann zu sehen, der verkleidet und im Gesicht bemalt in einer Theater-Szenerie steht.
Ralf Rachbauer ist, wie viele Berufstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft, selbstständig und muss sich immer wieder um neue Aufträge bemühen.
Foto: Privat

Kultur- und Kreativwirtschaft

Es lebe die Vielfalt

Autoren, Künstler, Filmemacher, Musiker und Designer haben einiges gemeinsam: Sie alle schaffen kreative Produkte oder Dienstleistungen und sind häufig selbstständig tätig. Der Berufseinstieg in die Kultur- und Kreativwirtschaft klappt allerdings nicht immer reibungslos - obwohl sich die Arbeitsmarktsituation gerade etwas entspannt.

Mal ist er ein Maultiertreiber, dann wieder ein Diener, beim nächsten Mal ein böses Kind – Opernsänger Ralf Rachbauer muss bei seiner Arbeit in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen. „Von uns Sängern wird viel gefordert: Wir müssen singen, tanzen, schauspielern und dabei auch noch ständig das Orchester und den Dirigenten im Auge behalten“, berichtet der 26-Jährige, der sich schon als Kind für Theater interessierte und im Schulchor gesungen hat.

Er bestand die Aufnahmeprüfung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wechselte später in den Diplomstudiengang Sologesang an die Musikhochschule Köln und arbeitet nun als Gastsänger an verschiedenen Opernhäusern. Aktuell probt er für eine Aufführung an der Kölner Oper. „Die Proben dauern vom ersten Konzeptionsgespräch bis zur Premiere in der Regel sechs Wochen, täglich von 10 bis 14 Uhr und von 17 bis 21 Uhr“, berichtet Ralf Rachbauer. Anschließend spielt er meist acht Aufführungen. Zwischendurch übt er, zusammen mit einem Pianisten, meist schon für das nächste Engagement. Denn die Aufträge kommen nicht von allein: „Ich verbringe als Freiberufler viel Zeit mit dem Vorsingen in ganz Deutschland.“

Viele Freiberufler

Ralf Rachbauer ist, wie viele Berufstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft, selbstständig und muss sich immer wieder um neue Aufträge bemühen. In der Branche, die laut der Initiative Kultur- & Kreativwirtschaft der Bundesregierung aus elf Teilmärkten besteht, sind insgesamt 237.000 Freiberufler und selbstständige Unternehmer tätig. Die meisten von ihnen in der Designwirtschaft (ca. 42.000), im Architektur- und im Werbemarkt sowie in der Software- und Games-Industrie (jeweils rund 41.000). Jeweils rund 19.000 arbeiten in der Filmwirtschaft, in der Rundfunkwirtschaft und im Markt für darstellende Künste. Auf den Pressemarkt entfallen zirka 25.000, auf die Musikwirtschaft, den Buchmarkt und den Kunstmarkt zwischen 11.000 und 14.000 Selbstständige. Insgesamt gibt es in der Branche zirka eine Million Erwerbstätige. Zusammen erzielten sie 2009 einen Umsatz von 131,4 Milliarden Euro.

Wer in der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten möchte, sich aber (noch) vor der Selbstständigkeit scheut, kann sich beispielsweise bei einer Werbeagentur bewerben, bei einem Architekturbüro, einem Museum oder einem Verlag. Aber egal ob als Angestellter oder Selbstständiger: Der Einstieg in die Kultur- und Kreativwirtschaft ist nicht immer leicht. „Im Zuge der Wirtschaftskrise ist die Zahl der Arbeitslosen kräftig angestiegen und die Nachfrage zurückgegangen“, berichtet Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. „Aktuell entspannt sich die Situation wieder etwas. Aber auch in wirtschaftlich guten Zeiten brauchen Menschen, die es in dieses Feld zieht, Durchhaltevermögen beim Berufseinstieg.“ Insgesamt sei die Zahl der kreativ Tätigen in den vergangenen Jahren aber angestiegen, meint Judith Wüllerich, wobei vor allem im Bereich der Werbefachleute und Grafiker deutliche Zuwächse zu vermelden waren.

Leidenschaft gefragt

„Um erfolgreich in die kreative Branche einzusteigen, ist vor allem Leidenschaft wichtig“, erklärt Jan Westphal, Leiter Personal und Sozialwesen bei der Ravensburger Unternehmensgruppe. „Wir erwarten von unseren Einsteigern – egal ob von Schule oder Hochschule –, dass sie in dem gewählten Beruf aufgehen. Die Fachrichtungen sind dabei zweitrangig, wichtiger ist uns eine kreative Persönlichkeit“, meint er. „Wir beschäftigen Geisteswissenschaftler, Pädagogen, Sprachwissenschaftler, Designer, BWLer, Informatiker und andere Absolventen.“ Hochschulabsolventen werden zum Beispiel eingestellt, um als Trainee oder Volontär Spiele zu entwickeln oder im Kinderbuchverlag zu arbeiten. Wer schon vor dem Studium weiß, dass er in das Verlagswesen einsteigen möchte, kann etwa ein duales Studium absolvieren. Ravensburger bietet speziell für den Buchverlag duale Studiengänge in den Fachrichtungen Freizeitwirtschaft sowie Medien- und Kommunikationswirtschaft mit den Schwerpunkten Journalismus/PR, Marketing oder Verlage/Hörfunk/TV an.

Klassische Ausbildungsberufe in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind beispielsweise Mediengestalter für Digital- und Printmedien sowie Medienkaufleute Digital und Print. Wer eher zum Film oder ans Theater möchte, kann eine Ausbildung zum Maskenbildner oder Bühnenmaler machen, im Bereich Design und Gestaltung zum Fotografen oder Game-Designer.

So vielseitig die Branche ist, so spannend ist sie auch. Christian Rost, stellvertretender Leiter des Kompetenzzentrums Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes, nennt den größten Vorteil: „Man kann sich ausleben und seine Wünsche und Träume ein Stück weit verwirklichen – vielleicht mehr als in vielen anderen Branchen.“

abi>> 19.05.2011