Dank Karin Schmoldt und ihren Kollegen brauchen die Kunden von Datev in Nürnberg die Software, mit der sie Steuerunterlagen oder Anwaltsfälle bearbeiten, nicht mehr auf ihrem eigenen Computer zu installieren: Die Steuerberater und Rechtsanwälte nutzen dazu das Internet. Cloud Computing heißt die neue Technik, mit der man Daten im Internet statt auf dem eigenen Computer speichert. Die Wirtschaftsinformatikerin Karin Schmoldt sorgt mit ihren Kollegen dafür, dass die Benutzeroberfläche des Internetzugangs zu den Datev-Online-Anwendungen gut
aussieht und die Kommunikation mit dem Server, auf dem die Daten liegen, funktioniert.
„Derzeit bekommt die Online-Anwendung eine neue Optik“, erklärt die gelernte IT-Systemkauffrau, die im Anschluss an ihre Ausbildung ein duales Studium in Wirtschaftsinformatik absolviert hat. „Ich programmiere mit Visual Studio 2010 in Silverlight die Online-Oberfläche. Damit arbeite ich an der Schnittstelle zu vielen anderen Abteilungen, wie zum Beispiel den Programmierern derjenigen Anwendungen, die nicht über den Web-Browser aufzurufen sind.“ Teamfähigkeit wird bei der 27-Jährigen somit großgeschrieben, Kundenorientierung ebenfalls – schließlich müssen die Steuerberater und Rechtsanwälte nach Fertigstellung der Anwendung auch gut damit zurechtkommen.
Rosige Aussichten für Software-Profis
Als Softwareentwicklerin arbeitet Karin Schmoldt in der zweitgrößten Branche Deutschlands: Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) ist die IT- und Telekommunikationsbranche (ITK-Branche) nach dem Maschinen- und Anlagenbau der zweitgrößte Arbeitgeber in der deutschen Industrie. Knapp 858.000 Menschen waren 2011 in der ITK-Branche beschäftigt, davon fast 624.000 in der Informationstechnik. Für die Zukunft prognostiziert BITKOM einen weiteren Anstieg der Beschäftigungszahlen in der ITK-Branche. Laut Dr. Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Bildung und Personal bei BITKOM fehlen derzeit 38.000 Mitarbeiter. Der Großteil der suchenden Unternehmen sind Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen, denen vor allem Software-Entwickler fehlen, so eine aktuelle repräsentative Umfrage des Verbands. 84 Prozent der befragten ITK-Unternehmen mit freien Arbeitsplätzen suchen Software-Spezialisten für die Entwicklung neuer Anwendungen, 40 Prozent benötigen Marketing- und Vertriebsexperten und 36 Prozent IT-Berater. „Der Trend geht zu technisch und organisatorisch sehr anspruchsvollen Tätigkeiten, die eine fundierte Ausbildung erfordern“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.
Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) spricht von „Fachkräfteengpässen in einzelnen Arbeitsmarktfeldern“. Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der BA, erläutert: „In den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 waren im Schnitt 8.600 Stellen für Datenverarbeitungsfachleute bei der BA gemeldet – das sind mit plus 48 Prozent deutlich mehr als noch ein Jahr zuvor.“ Die Arbeitslosenquote liege bei gerade einmal 3,4 Prozent – ab drei Prozent spricht man von Vollbeschäftigung, denn dann spielt Arbeitslosigkeit kaum noch eine Rolle.
Laut der BA könnte allerdings die große Zahl an Nachwuchs-Informatikern in den nächsten Jahren bei den Unternehmen für Entlastung sorgen: 2010 beendeten rund 19.000 Studierende ihr Informatikstudium. „Die Zahl der Absolventen ist in den letzten Jahren trotz hoher Abbruchquoten kontinuierlich gestiegen“, so Judith Wüllerich. Auch die Studienanfängerzahl steigt seit vier Jahren stetig an. Zudem beendeten 2011 rund 12.000 junge Menschen eine Berufsausbildung im IT-Bereich.
Neue Ideengeber für den stetigen Wandel
Die Einstiegsmöglichkeiten in der ITK-Branche sind vielseitig. Vor allem große Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Telekom in Bonn bieten sowohl Ausbildungsplätze – zum Beispiel für angehende IT-System-Kaufleute, IT-System-Elektroniker oder Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung – als auch duale Studiengänge für Abiturienten und Einstiegsprogramme für Hochschulabsolventen. Bewerber bei der Telekom können sich zwischen national und international agierenden Unternehmensbereichen entscheiden. Allein im Großkundengeschäft hat das Unternehmen Niederlassungen in 20 Ländern, insgesamt ist es in 50 Ländern vertreten. Die wichtigsten Voraussetzungen für Bewerber in der schnelllebigen ITK-Branche nennt Andrea Schönwetter, Leiterin des Telekom-Personalmarketings: „Wir suchen Leute, die bereit sind, Veränderungen voranzutreiben. Sie sollen Bestehendes hinterfragen und eigene Ideen umsetzen wollen. Denn unser Unternehmen und unsere Branche befinden sich in stetigem Wandel.“
Tatsächlich bringt die umtriebige Branche in immer kürzeren Abständen neue Trends und Entwicklungen auf den Markt – neben dem genannten Cloud Computing gehören dazu etwa die immer höher entwickelten Smartphones und Tablet-PCs mit ihren täglich neuen Apps zum Surfen und Navigieren, der stetig weiterwachsende Social-Media-Bereich oder auch der Trend zum vernetzen Zuhause, in dem sich Fotos, MP3s, Computerspiele und ähnliches drahtlos über Fernseher, Notebook und Co. im ganzen Haus abrufen lassen.
IT-Begeisterung wichtiger als Studienfach
Die Dynamik der IT ist auch laut Anja Kossmann einer der Gründe dafür, dass junge Leute sich für diese Branche entscheiden. Sie ist Personalerin bei Computacenter, einem der führenden Dienstleister für Informationstechnologie, und erläutert: „Man lernt beim Kontakt mit den unterschiedlichen Kunden ständig Neues dazu und ist immer am Puls der Zeit.“ Computacenter bietet Hochschulabsolventen zwei verschiedene Einstiegswege an: ein Traineeprogramm in der IT-Beratung mit technologischer Ausrichtung und eines im Vertrieb. „Unsere künftigen Junior Consultants werden sechs Monate lang in fachlichen und technischen Trainings fit gemacht. Ihnen steht ein erfahrener Berater als Pate zur Seite, sodass sie schnell Einblick ins Tagesgeschäft erhalten“, erklärt die Personalerin. Genau wie die angehenden Junior Account Manager im Vertriebs-Traineeprogramm durchlaufen sie auch Soft-Skills-Schulungen, zum Beispiel zu Kommunikations- und Verhandlungstechniken. Die Vertriebstrainees werden zunächst umfassend zu allen Produkten ausgebildet, bevor sie sich dann auf einen Bereich, zum Beispiel IT-Sicherheit, Netzwerk- oder Rechenzentrums-Technologien, spezialisieren. „Für unsere Traineeprogramme suchen wir nicht nur Informatiker und Wirtschaftsinformatiker, sondern auch Naturwissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftler. Wichtiger als das Studienfach ist uns die Begeisterung für die IT“, meint Anja Kossmann. Wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann bei Computacenter unter anderem die Berufe Fachinformatiker für Systemintegration oder Anwendungsentwicklung, IT-System-Elektroniker oder -Kaufmann lernen. „Die Chancen stehen auf jeden Fall sehr gut“, betont Anja Kossmann. „Wir haben derzeit einen ,Bewerbermarkt', das heißt, wir könnten mehr qualifizierte Leute einstellen, als wir auf dem Markt finden."






