Arbeiten für die Gesundheit
Der kleinste Nenner ist die Arbeit mit und für Menschen. Darüber hinaus sind die Berufe in der Gesundheitswirtschaft aber so breit aufgestellt wie in kaum einer anderen Branche. Hier findet sich für (fast) jeden die passende Aufgabe.
Die Gesundheitswirtschaft bietet Abiturienten ein breites Feld an spannenden Einsatzmöglichkeiten.
Foto: Robert Wolf
Große Bandbreite
Die Pflege von kranken oder alten Menschen ist nur ein Teil der großen Bandbreite der Berufe in der Gesundheitswirtschaft. Das Statistische Bundesamt unterscheidet zwischen Gesundheitsdienstberufen wie Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten, Hebammen und Diätassistenten, sozialen Berufen wie Altenpfleger, Gesundheitshandwerkern wie Augenoptiker oder Zahntechniker sowie sonstigen Gesundheitsfachberufen wie Ingenieure der Medizintechnik. Im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit werden unter dem Berufsfeld „Gesundheit“ auch „Berufe im Rettungsdienst“, in der Ernährung, mit Psychologie sowie „rund um Sport und Bewegung“ gelistet. In der Branche arbeiten aber beispielsweise auch Sozialversicherungsfachangestellte, Kaufleute im Gesundheitswesen, Informatiker, Juristen, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler.
2009 waren laut der Gesundheitsberichtserstattung des Bundes rund 4,7 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt, das entspricht zwölf Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland. Ein Prognoserechner, der im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) entwickelt wurde, schätzt, dass die Beschäftigtenzahl bis zum Jahr 2020 um rund eine Million steigen wird.
Die Gesundheitswirtschaft machte 2008 laut dem BMWi einen Umsatz von über 224 Milliarden Euro, alleine zehn Prozent davon erwirtschafteten die Medizintechnikunternehmen (Link auf Medizintechnikartikel). Damit gehört die Gesundheitswirtschaft zu den wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland. „Dies zeigt sich auch in der Entwicklung der Arbeitsplätze“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Gesundheits- und Pflegeberufen ist in den vergangenen zehn Jahren um ein Fünftel gewachsen.“ Der Frauenanteil ist mit 83 Prozent sehr hoch. Seit 2005 sinkt die Zahl der Arbeitslosen stetig: 2010 waren bei der BA durchschnittlich 41.000 freie Arbeitsstellen in Gesundheits- und Pflegeberufen gemeldet. Insbesondere bei Ärzten, Alten- sowie Gesundheits- und Krankenpflegern sei bereits vielerorts ein Mangel an Fachkräften festzustellen, weiß Ralf Beckmann, der erwartet, dass die demografische Entwicklung zu einem weiter steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften führen wird. Besonders gut sehe es für Ärzte aus: „Vorwiegend in ländlichen Regionen ist der Medizinermangel bereits Realität.“
Soziale Kompetenz
Dass Ärzte händeringend gesucht werden, ist auch die Erfahrung von Stefan Linder, Personalleiter der m&i-Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See. „In der Regel können sie sich nach ihrer Ausbildung aussuchen, wo sie arbeiten wollen.“ Die acht Rehakliniken der Enzensberger Klinikgruppe, die 3.500 Mitarbeiter beschäftigt, suchen neben Medizinern und Psychologen vor allem Hochschulabsolventen aus Wirtschaftsfächern, die Führungsaufgaben übernehmen können. Um den Bedarf zu decken, werden auch Duale Studienplätze im Bereich BWL mit Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft angeboten. „Bei allem wirtschaftlichen Wissen muss man sich aber natürlich auch für medizinische Themen interessieren“, betont Stefan Linder. Darüber hinaus sei soziale Kompetenz in der Branche besonders wichtig.
Das gilt auch für Berufe außerhalb von Krankenhäusern oder Arztpraxen – zum Beispiel bei Krankenkassen. „Unsere Mitarbeiter sind kommunikativ, lassen aber auch gern Taten sprechen“, beobachtet Christine Brandis, Referentin im Personalmarketing bei der Techniker Krankenkasse (TK) mit Hauptsitz in Hamburg. Der Großteil der Beschäftigten ist in der Kundenberatung und in der Leistungsbearbeitung tätig. Der Einstieg erfolgt hier meist über eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten, zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Gesundheitswesen oder Kaufmann/Kauffrau für Dialogmarketing. Absolventen der verschiedensten Fachrichtungen – von BWL über Pharmazie bis hin zu Sportwissenschaft und Gesundheitsökonomie – steigen in der Regel über ein Traineeprogramm ein, das sie in medizinischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen fit macht. Anschließend übernehmen sie strategische Aufgaben in der Unternehmenszentrale oder in den Landesvertretungen der TK. „Krankenkassen haftet oft noch das Image einer verstaubten Behörde an“, bedauert Christine Brandis. „Wir sind jedoch ein modernes Unternehmen, das dienstleistungsorientiert arbeitet. Die Gesundheitswirtschaft bietet Karrieren mit Zukunft.“





