Arbeiten im zweitgrößten Land der Erde
Kaum ein Ziel ist bei deutschen Arbeitnehmern so beliebt wie Kanada. Jedes Jahr zieht es Tausende in das Land der Berge und Seen — manche für eine begrenzte Zeit, andere für immer. Auslandserfahrung zu sammeln ist auf jeden Fall sinnvoll und wird von Arbeitgebern gern gesehen.
Der Einreisestempel landet im Pass aller Kanada-Reisenden. Wer dort arbeiten möchte, braucht aber zusätzlich eine Arbeitsgenehmigung.
Foto: Issler/WillmyCC
Zur Auswahl standen London, Philadelphia oder Montreal. Maximilian Stüber entschied sich für Letzteres, „weil Kanada für mich das größte Abenteuerpotenzial hatte“. Der 21-Jährige absolviert derzeit bei dem Walldorfer IT-Unternehmen SAP sein duales Studium Wirtschaftsinformatik. Eine Praxisphase der Ausbildung findet im Ausland statt – und so ist Maximilian Stüber nun für drei Monate nach Kanada gereist: „Ich musste eine Abteilung finden, die meine Unterkunft in Montreal bezahlt. Alles andere organisierte mein Arbeitgeber für mich.“ Da der angehende Wirtschaftsinformatiker faktisch weiterhin in Deutschland angestellt ist, benötigte er nur einen gültigen Reisepass und einen „Letter of Invitation“, also eine schriftliche Einladung von der kanadischen Geschäftsstelle seines Arbeitgebers. Eine Arbeitsgenehmigung war so nicht nötig. Nun arbeitet er für ein Projekt beim Flugzeughersteller Bombardier Aerospace, wo derzeit eine SAP-Software eingeführt wird.
Das Team, in dem Maximilian Stüber tätig ist, ist international zusammengesetzt. „In der Provinz Quebec wird eigentlich Französisch gesprochen, aber unser Team ist international, daher reden wir untereinander Englisch.“ In Kanada sind ihm vor allem die riesigen Großraumbüros aufgefallen. Innerhalb des Projekts arbeiten alle in einem Raum, sodass sie sich direkt austauschen können. „Schön finde ich, dass man mit Kanadiern schnell in Kontakt kommt, sowohl beruflich als auch privat“, freut sich der angehende Wirtschaftsinformatiker.
Weniger Arbeitslose als in der EU
Über seinen Arbeitgeber entsandt zu werden, ist nur eine Möglichkeit, für einige Zeit in Kanada zu arbeiten. Andere suchen sich selbst einen Job in ihrem Traumland. Laut der kanadischen Botschaft in Berlin wandern jedes Jahr etwa 3.000 Menschen dauerhaft von Deutschland nach Kanada aus. 2.000 Deutsche gehen jährlich zum Studieren dorthin, 4.000 arbeiten vorübergehend im Land der Ahornblätter. Die Bedingungen, die die Arbeitswilligen vorfinden, sind recht positiv: Die Erwerbslosenquote lag im Januar 2011 laut OECD bei 7,8 Prozent und damit etwa zwei Prozentpunkte unter der der Europäischen Union. Im Vergleich zum Januar 2010 stieg die Zahl der Beschäftigten um 1,9 Prozent bzw. 327.000. Allerdings gibt es große Unterschiede in den einzelnen Regionen: In der Provinz Labrador und Neufundland lag die Erwerbslosenquote bei 12,4, in Quebec bei 7,9 und in Manitoba bei 5 Prozent.
Wer einen Job sucht, hat im Öl-, Gas- und Bergwerkssektor, in der Land- und Bauwirtschaft, in der Dienstleistungsbranche und im Handel die besten Aussichten, so die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). „Wie überall auf der Welt fehlen natürlich Fach- und Hochschulabsolventen in technischen Berufen“, weiß Klaus Münstermann von der ZAV (siehe Interview). Im Gesundheitswesen fehlt es an Fachärzten, Physiotherapeuten und Krankenschwestern. Auch Klempner, Elektriker, Rohrleitungsbauer, Schweißer und andere Handwerksberufe sind gefragt. Allerdings hat die Finanzkrise auch die kanadische Wirtschaft schwer getroffen, sodass man sich vor der Jobsuche über die Aussichten in der angestrebten Branche genau erkundigen sollte.
Freie Stellen finden sich zum Beispiel in der JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit unter http://jobboerse.arbeitsagentur.de. Hier können die Nutzer eingeben, ob sie beispielsweise ein Praktikum oder eine feste Arbeitsstelle suchen. Wichtig ist dabei, im Feld „Arbeitsort“ „Kanada“ einzutragen. „Interessant ist auch die Internetseite www.workingincanada.gc.ca der kanadischen Regierung, wo es zahlreiche offene Stellen und weitergehende Informationen zu den einzelnen Berufen gibt“, so der Tipp von Klaus Münstermann, Arbeitsvermittler im Arbeitgeberservice der ZAV und Experte für Kanada. Darüber hinaus sind auch die kanadischen Arbeitsämter, die „Canada Employment Centers“, sowie private Arbeitsvermittlungsagenturen bei der Stellensuche behilflich, wie in der Broschüre „Kanada: Informationen für Auswanderer und Auslandstätige“ des Bundesverwaltungsamts zu lesen ist.
Für junge Auszubildende, Studierende und Berufstätige bis 35 Jahre gibt es spezielle Angebote, zum Beispiel das Programm für Jugendmobilität der kanadischen Botschaft (siehe „Adressen und Links“). Je nach Ziel kann man eine zwölfmonatige „offene Arbeitserlaubnis“ beantragen, mit der man bei jedem Arbeitgeber anheuern, ein Praktikum machen oder als „Young Professional“ Berufserfahrung sammeln kann. Eine weitere Möglichkeit für Arbeitskräfte ist eine „Temporary Work Permit“. Dabei handelt es sich um eine zeitlich befristete Arbeitsgenehmigung, die erteilt wird, wenn Arbeitgeber für eine Stelle keine kanadischen Mitarbeiter finden. Wer auswandern will, kann einen Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis stellen. Dazu bietet die kanadische Botschaft in Berlin mehrere Verfahren an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Je nach Prozedere beträgt die Bearbeitungszeit gegenwärtig zwischen sechs und 24 Monaten. Bevor man diesen Schritt geht, sollte man sich das Land jedoch erst einmal anschauen. Ob man in Kanada Urlaub macht oder dort permanent lebt und arbeitet, macht doch einen großen Unterschied.







