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Interview

"Qualifizierte Kräfte sind gefragt"

abi>> sprach mit Nadine Schäfer, Beraterin bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit.

Auf dem Bild sind Fish'n'Chips zu sehen.

"Die Berufe, die bei uns gefragt sind, sind im Ausland meist auch gefragt. In Großbritannien werden zum Beispiel viele Sozialpädagogen und Ärzte gesucht."

Foto: mochitos

abi>>: Welche Chancen haben deutsche Hochschulabsolventen, im europäischen Ausland eine Praktikumsstelle zu finden?

Nadine Schäfer: Ein Praktikum im Ausland zu finden, ist nicht einfach, weil viele Länder das Arbeitsverhältnis Praktikum gar nicht kennen. Viele Firmen haben Angst, dass sie arbeitsrechtliche Verpflichtungen gegenüber den Praktikanten eingehen. Besser stehen die Chancen bei ausländischen Niederlassungen von deutschen Unternehmen. Darüber hinaus kann man sich über Organisationen ein Praktikum vermitteln lassen – aber das kostet meist viel Geld. Zu empfehlen sind eher Praktika über Inwent und die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), da diese Stipendien vergeben, so dass der Eigenanteil sehr klein bleibt.

 

abi>>: Wie sieht die Situation bei der Suche nach einer Stelle nach dem Hochschulabschluss aus?

Nadine Schäfer: Das ist es nicht viel anders als bei der Bewerbung in Deutschland: Die Berufe, die bei uns gefragt sind, sind im Ausland meist auch gefragt. In Großbritannien werden zum Beispiel viele Sozialpädagogen und Ärzte gesucht. Erziehungswissenschaftler gehen oft in die skandinavischen Länder, und Ingenieure werden eigentlich überall gebraucht.

 

abi>>: Auf welchem Weg sollten sich Absolventen bei den Unternehmen im Ausland bewerben?

Nadine Schäfer: Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Auf unserer Homepage http://www.zav-auslandsvermittlung.de/ finden Sie die Besonderheiten aufgelistet. Wer sich zum Beispiel in Großbritannien bewirbt, sollte kein Foto, kein Alter und kein Geschlecht bei der Bewerbung angeben, weil dort viel Wert auf Gleichbehandlung gelegt wird. Prinzipiell sind Bewerbungen ins Ausland meist weniger umfangreich als in Deutschland: Es genügt eine E-Mail mit Motivationsschreiben, zwei Referenzen und Lebenslauf. Alles andere wird nur auf Anfrage geschickt. Für das erste Interview wird dann oft die kostenlose Plattform Skype genutzt.

 

abi>>: Wo finde ich generell Informationen über freie Stellen im Ausland?

Nadine Schäfer: Bewerber können die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nutzen, in der viele Stellen im Ausland veröffentlicht werden. Im Internet gibt es viele weitere Stellenbörsen, manche auch speziell für Mehrsprachler, wie etwa die Seite http://www.deutsche-in-london.net/. Hier können Deutsche mit guten Sprachkenntnissen punkten. Auch auf der ZAV-Seite finden Sie Links zur Stellensuche. Ein weiterer Tipp ist das Eures-Portal, die Plattform des European Employment Services, ein Zusammenschluss sämtlicher Berufs- und Bildungsberater in Europa. Darüber hinaus veranstaltet die ZAV häufig Jobbörsen, auf denen Einstiegspositionen zu vergeben sind. Hinweise auf die Jobbörsen sind auf unserer Internetseite zu finden.

 

abi>>: Muss ich die Sprache meines Ziellandes perfekt beherrschen?

Nadine Schäfer: Das hängt von der Position ab. Wenn die Arbeitssprache des Unternehmens Englisch ist, reichen sicher Grundkenntnisse der örtlichen Sprache. In allen anderen Fällen brauchen Sie verhandlungssichere Sprachkenntnisse. Wer sich nicht sicher genug fühlt, sollte vorher einen Sprachkurs belegen und seine Sprachkenntnisse verbessern. Günstig ist das über die Unis im Ausland. Ein weiterer Vorteil dabei: Sie können sich vor Ort den Arbeitsmarkt anschauen und sich gegebenenfalls direkt bei den Unternehmen vorstellen.

 

abi>>: Gibt es europäische Länder, die bei deutschen Arbeitgebern besser ankommen als andere? Sollte ich meine Wahl danach ausrichten?

Nadine Schäfer: Wenn der künftige deutsche Arbeitgeber Kontakte in ein bestimmtes Land hat, ist es sicherlich von Vorteil, Berufserfahrung in diesem Land zu sammeln. Ansonsten wird aber generell auf interkulturelle Kompetenz und Auslandserfahrung Wert gelegt – egal in welchem Land man sie erworben hat. Im Vordergrund sollten daher erst einmal persönliche Vorlieben stehen: Welche Sprachen kann ich schon, welche möchte ich noch intensivieren?

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