Beratung auch in Krisenzeiten
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater werden intensiv gesucht. Auch bei den Unternehmensberatern, an denen die Krise nicht spurlos vorbeigegangen ist, sehen die Arbeitgeber positiv in die Zukunft.
Die Zahl der Unternehmensberater ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.
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Alexander Neu (37) hat einen langen Weg zum Wirtschaftsprüfer hinter sich: Nach der Ausbildung zum Steuerfachangestellten studierte er BWL, arbeitete währenddessen einen Tag in der Woche in der Kanzlei Konlus in Bergisch-Gladbach, wo er nach seinem Abschluss als Assistent des Wirtschaftsprüfers einstieg. Nach zwei Jahren Berufspraxis legte er die Prüfung zum Steuerberater ab, nach weiteren zwei Jahren Berufspraxis kam der Zieleinlauf: das Examen zum Wirtschaftsprüfer. „Das ist wie ein Marathonlauf, das Examen ist sehr anstrengend“, meint der 37-Jährige. Doch es hat sich gelohnt, wie er findet. Nach dem Abschluss hatte er mehrere Angebote, aber er entschied sich bewusst für eine kleinere Kanzlei: „Ich wollte von Anfang an ein breites Aufgabenspektrum übernehmen und persönlichen Kontakt zu den Klienten pflegen.“ So prüft er beispielsweise die Jahresabschlüsse seiner Mandanten. Auch wenn sich die Arbeitsweisen zwischen kleinen und großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen unterscheiden, eines sei gleich: „Man muss sich auf lange Arbeitstage einstellen.“
Trotz Krise stabil
Zu den Berufsgruppen dieses Berufsfeldes gehören neben den Wirtschaftsprüfern wie Alexander Neu auch die Steuerberater und die klassischen Unternehmensberater.
Langfristig gute Arbeitsmarktaussichten attestiert Arbeitsmarktexpertin Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit (BA) für alle drei Berufsgruppen: „Der Arbeitsmarkt für Unternehmensberater, Wirtschaftprüfer und Steuerberater hat sich über die letzten Jahre durchaus positiv entwickelt. Insgesamt dürfte es sich um ein wachsendes Marktsegment handeln.“ Die Zahl der angestellten Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, auch im Krisenjahr 2009 wurden Fachkräfte eingestellt.
„Die Beschäftigtenzahl stieg in diesen Tätigkeitsfeldern von 2008 zu 2009 um vier Prozent auf über 310.000 Beschäftigte überdurchschnittlich an. Auch die Selbstständigkeit spielt eine nicht unbedeutende Rolle, insbesondere bei den Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern. Gut die Hälfte ist selbstständig tätig“, sagt Judith Wüllerich.
Unternehmensberater am stärksten betroffen
Während die Wirtschaftskrise die Nachfrage bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern nicht geschmälert hat, sie blieb mit rund 10.000 bei der BA gemeldeten Stellen im Jahr konstant, sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise vor allem für die Unternehmensberater spürbar geworden: „Es scheint, dass einzelne Projekte aufgrund der Krise vertagt oder ganz gestrichen wurden“, erklärt die Expertin.
Das räumt auch der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) ein. Die Branche musste, wenn auch im Vergleich zur Gesamtkonjunktur in abgeschwächter Form, 2009 ein Umsatzminus von 3,1 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro verbuchen. Laut BDU waren 2009 insgesamt gut 113.500 Mitarbeiter (2008: rund 115.000) in der Consultingbranche tätig. Etwa jeder dritte Berater ist bei einer der 60 umsatzstärksten Beratungsgesellschaften beschäftigt und gerade die waren von der Krise am stärksten betroffen. Betrachtet man die Hauptberatungsfelder Organisations- und Prozessberatung, Strategieberatung, IT-Beratung sowie Human-Resources-Beratung, ergibt sich ein heterogenes Bild: Während Berater mit Schwerpunkt Organisations- und Prozessberatung die größten Umsatzverluste zu verzeichnen hatten, konnte die IT-Sparte sogar ein Plus vorweisen.
Was erwartet wird
Nichtsdestotrotz buhlen Unternehmensberatungen seit Jahren um die besten Köpfe. Das auf Personalberatung spezialisierte Unternehmen Kienbaum sucht 2010 um die 30 Absolventen. Gefragt sind ein „exzellentes“ Universitätsstudium in Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen oder Psychologie. Neben der Note punkten Bewerber vor allem mit einschlägigen Praktika. Dr. Folke Werner, Leiter des Bereichs Talent Management und Recruiting der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, sucht für die Unternehmensbereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung vor allem Absolventen aus den Wirtschaftswissenschaften und den Studiengängen Jura, (Wirtschafts-)Ingenieurwesen, (Wirtschafts-)Informatik sowie (Wirtschafts-)Mathematik: „Wer Schwerpunkte in Fächer wie Wirtschaftsprüfung, Rechnungswesen, Steuern, Controlling oder Finance vorweisen kann, der sammelt zusätzliche Pluspunkte.“
Bachelorabsolventen sind zwar gefragt, jedoch mit Einschränkung: „Wie andere Unternehmen auch stellen wir fest, dass vielen Bachelor-Studierende weniger Zeit für Praktika und Auslandsaufenthalte bleibt, als dies früher der Fall war. Ihnen fehlt teilweise noch die notwendige Tiefe. Deshalb haben wir unsere Aus- und Fortbildungsangebote speziell für Neueinsteiger auf Bachelor-Niveau weiter ausgebaut.“




