Ein Beruf mit gesunden Aussichten
Wer sich für den Beruf des Mediziners entscheidet, wird nicht über fehlende Jobangebote klagen. Denn Ärzte sind aktuell gefragt wie nie. Ihr Tätigkeitsbereich gestaltet sich dabei so vielfältig wie interessant. Ob in der eigenen Praxis, in einer Behörde, im Krankenhaus oder in der Industrie: Die Auswahl an Arbeitsmöglichkeiten ist groß.
Nicht nur im klassischen Bereich können Mediziner tätig sein, sie können auch in der Industrie, bei Beratungsunternehmen oder bei Versicherungen sehr gefragt sein.
Foto: Kühne
„Das praktische Jahr ist der krönende Abschluss des Studiums“, sagt Philipp Duven, „weil ich mein umfangreiches theoretisches Wissen erstmals richtig an den Patienten bringen kann“. Das praktische Jahr (PJ), das alle Ärzte am Ende ihres Studiums absolvieren müssen, ist aufgeteilt in drei Tertiale zu jeweils vier Monaten. Vorgeschrieben sind dabei Stationen in der „Inneren Medizin“ und in der Chirurgie, das dritte Fachgebiet kann man frei auswählen. „Für das Praktikum in der Inneren Medizin habe ich im DRK-Krankenhaus in Kassel gearbeitet, momentan sammle ich in der Anästhesie-Abteilung des Universitätsklinikums in Marburg Erfahrungen und das dritte Tertial werden ich in der Chirurgie der Asklepios Stadtklinik in Bad Wildungen verbringen.“ Für die Zeit nach dem PJ hat der 26-Jährige schon genaue Pläne: „Ich werde die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie anschließen und möchte danach in einer Klinik arbeiten.“
Krankenhaus, Praxis oder ganz was anderes
Mit diesem Wunsch, in einem Krankenhaus zu arbeiten, liegt Philipp Duven im Trend. Rund 48,5 Prozent aller Mediziner sind in einer Klinik tätig. „Die Zahl der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg – zum vierten Mal in Folge – recht deutlich um 2,9 Prozent an“, heißt es bei der Bundesärztekammer. Von den rund 325.900 Ärzten, die 2009 in Deutschland tätig waren, waren also rund 158.000 in einer Klinik angestellt.
Knapp 140.000 der Ärzte arbeiteten 2009 dagegen im ambulanten Bereich, waren also in einer Praxis angestellt, haben eine eigene Praxis oder sind Teil einer Gemeinschaftspraxis. Wer sich selbständig machen und eine eigene Praxis eröffnen will, muss sich jedoch über einen Aspekt im Klaren sein, betont Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit: „Für Berufseinsteiger stellen manchmal die hohen Investitionskosten bei der Einrichtung einer Praxis oder dem Einkauf in eine Gemeinschaftspraxis ein Problem dar.“
Neben diesen beiden häufigsten Tätigkeitsfeldern gibt es jedoch noch andere Karriereoptionen, wie Rudolf Henke, der erste Vorsitzende der Ärztevereinigung Marburger Bund, weiß: „Ärzte übernehmen auch Aufgaben im öffentlichen Gesundheitsdienst, als Betriebs- oder Arbeitsmediziner, um gesundheitliche Schäden bei den Mitarbeiten zu vermeiden, die durch Arbeitsprozesse entstehen können oder im sozialmedizinischen Bereich, indem sie etwa beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen Gutachten erstellen.“ Doch auch in der Industrie, bei Beratungsunternehmen oder bei Versicherungen sind Ärzte sehr gefragt. Ein weiteres Beispiel sind etwa Pharmazieunternehmen, wo Mediziner an der Arzneimittelentwicklung- und am Arzneimittelmarketing beteiligt sind.
Nach wie vor hoher Bedarf
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen. Nach den Ärzten ohne Gebietsbezeichnung, den so genannten praktischen Ärzten, sind Fachärzte für Allgemeinmedizin sowie für Innere Medizin die häufigsten Arztgruppen. Eigentlich kein Wunder: Aus diesen Gruppen stammen die Hausärzte, die in der Regel die erste Anlaufstelle für Patienten sind. Vor 2003 waren dies noch die sogenannten „praktischen Ärzte“ ohne Facharztweiterbildung. Wer sich heute als Arzt oder Hausarzt niederlassen möchte, muss aber eine Facharztprüfung nachweisen.
Gestiegen ist auch der Anteil der Frauen. Während 1991 nur rund ein Drittel der Ärzte weiblich waren, sind es inzwischen mehr als 40 Prozent. Und der Anteil wird wahrscheinlich weiter steigen, denn zum Wintersemester 2008/2009 waren mehr als 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen.
Absolventen haben rosige Aussichten: „Die Arbeitsmarktchancen stehen gut“, sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit: „Der hohe Bedarf an Medizinern ist nach wie vor ungebrochen.“ Den Grund für die hohe Nachfrage kennt sie ebenfalls: „Viele ältere Mediziner gehen in den Ruhestand, in einigen, vorrangig ländlichen Regionen wird bereits ein Ärztemangel verzeichnet.“ Hinzu kommen eine steigende Lebenserwartung sowie der medizinische Fortschritt, die permanent mehr Ärzte erfordern. Denn mit dem Alter nehmen chronische Krankheiten und auch eine aufwändigere Betreuung zu. Außerdem erweitern sich die therapeutischen Maßnahmen enorm, heutzutage gibt es beispielsweise Gelenkersatz bei Arthrose. Mediziner zu sein bedeutet deshalb auch, sich das ganze Berufsleben über permanent fortzubilden – und lebenslang zu lernen.






