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Interview

Reichlich Platz für junge Ärzte

Dr. Frank Thalau, Facharzt für Urologie, ist bei der Bundesärzteammer Referent für Aus- und Weiterbildung. Mit abi>> sprach er über die Arbeitsmarktchancen für Humanmediziner und gab Tipps für den Berufseinstieg.

abi>>: Herr Dr. Thalau, wie stellen sich die Arbeitsmarktchancen für Mediziner dar?

 Frank Thalau: Die Arbeitsmarktchancen für Humanmediziner sind sehr gut. Momentan sind 5.000 Klinikstellen unbesetzt und viele Praxen vor allem in ländlichen Bereichen suchen händeringend Nachfolger. Das liegt auch daran, dass deutsche Ärzte auch weltweit gefragt sind. Es gibt einen regelrechten Wettbewerb um die besten Köpfe mit dem Ergebnis, dass viele Nachwuchsmediziner mittlerweile im Ausland tätig sind.

abi>>: Welche Trends sehen Sie?

Das Bild ist ein Portätfoto von Frank Thalau.

Frank Thalau

Foto: Privat

Frank Thalau: Die berufstätigen Ärzte werden immer älter. Schon jetzt beträgt zum Beispiel das Durchschnittalter von niedergelassenen Ärzten 52 Jahre, während der Anteil an 35-Jährigen immer weiter sinkt. Der Ärztestand überaltert. In der Medizin haben die Frauen mittlerweile die Nase vorn. Bei den Medizinstudierenden und den Absolventen liegt der Frauenanteil bei über 60 Prozent und mehr als die Hälfte aller medizinischen Doktorarbeiten werden von Frauen verfasst. Die Ärzteschaft wird weiblicher.

abi>>: Welche anderen Entwicklungen zeichnen sich ab?

Frank Thalau: Viele junge Ärzte suchen heute nach Möglichkeiten, Beruf und

Familie besser zu vereinbaren. Die Zeit der Weiterbildung zum Facharzt fällt üblicherweise genau in die Phase der Familienplanung. Früher hieß es – vor allem für Frauen – entweder oder. Mittlerweise sind Teilzeitstellen oder Jobsharing an den Kliniken eher akzeptiert und die Angebote der Kinderbetreuung verbessern sich allmählich.

abi>>: Welche Tipps geben Sie Berufsanfängern?

Frank Thalau: Famulaturen (also Praktika) und das Wahlfach im Praktischen Jahr bieten gute Gelegenheiten, um herauszufinden, für welches Berufsfeld man sich wirklich interessiert. Unbedingt sollte der Chef- oder Oberarzt am Ende um eine realistische Einschätzung gebeten werden, wo Stärken und Schwächen liegen. Ob jemand beispielsweise lieber Unfallchirurg, Hausarzt oder Labormediziner wird, sollte sich also nach den persönlichen Voraussetzungen und Interessen richten. Zwei Beispiele: Jemand, der operieren will, benötigt viel manuelles Geschick und muss stressigen Diensten zu allen Tages- und Nachtzeiten dauerhaft körperlich und seelisch gewachsen sein. Und für Labormediziner sollte der Umgang mit apparativer Technik und Datenmaterial zu diagnostischen Zwecken und weniger der unmittelbare Patientenkontakt ein besonderer Interessenschwerpunkt sein.

 

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