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Mathematiker und Naturwissenschaftler

Gute Zeiten, bessere Zeiten

Naturwissenschaftler sind vielseitig einsetzbar. Ein Mathe-, Physik- oder Biologiestudium öffnet nicht nur Türen in Forschung und Entwicklung, sondern beispielsweise auch in die Berater- und Versicherungsbranche.

Auf dem Bild ist Peggy Heine zu sehen. Sie lächelt, hat blonde Haare und trägt ein Head-Set.

Die Biologin Peggy Heine arbeitet im Kundenservice bei einem Online-Anbieter für Forschungsantikörper.

Foto: antibodies-online GmbH

„Das ist wie ein Jackpot“, sagt Biologin Peggy Heine (28), wenn sie über ihre beiden Stellen erzählt: Zum einen hat sie eine feste Halbtagsstelle im Kundenservice bei der antibodies-online GmbH, einem Online-Anbieter für Forschungsantikörper. Dort korrespondiert sie mit Wissenschaftlern aus aller Welt, informiert sich bei den Herstellern, ob die Antikörper für die jeweiligen Forschungsvorhaben geeignet sind oder klärt Zollbestimmungen ab, wenn die Lieferanten im Ausland sitzen. Zum anderen promoviert die Diplom-Biologin an der RWTH Aachen im Bereich molekulare Ökologie. Die Kombination ihrer Stellen aus Forschung und Wirtschaft bringt für sie viele Vorteile: „Als Biologin ein Forschungsprojekt mit ökologischem Schwerpunkt zu finden, ist schwierig. Zudem sind Forschungsprojekte generell zeitlich begrenzt und die Finanzierung meist unsicher. Durch meine Stelle bei antibodies-online GmbH habe ich ein festes Gehalt und zudem ein spannendes Aufgabengebiet.“ Beides unter einen Hut zu bringen sei zwar zeitlich sehr aufwendig, aber sie sei ein Workaholic und arbeite auch an den Wochenenden. Für ihr Aufgabengebiet beim Onlineanbieter bräuchte sie die Promotion nicht zwingend. Das Thema hat sich aus ihrer Diplomarbeit und ihrem persönlichen Interesse ergeben.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Mit ihren analytischen Fähigkeiten und ihrem Abstraktionsvermögen erobern sich Biologen, Physiker, Mathematiker, Chemiker, Geologen und Co. quer durch alle Branchen berufliche Tätigkeitsfelder. Mathematiker und Physiker beispielsweise haben sich zum Allrounder gemausert, verschlüsseln in der IT-Branche Bits und Bytes, erstellen als Unternehmensberater Finanzmodelle oder spüren in der Medizintechnik ganz unblutig mithilfe mathematischer Modelle medizinischen Fragen nach. Entsprechend bunt gestaltet sich das Spektrum ihrer Arbeitgeber: Forschungsinstitute, Versicherungen, IT-, Pharma- und Chemieunternehmen, aber auch Unternehmensberatungen. Geologen arbeiten außer in Forschungsinstituten auch in Behörden oder in Ingenieurbüros und Chemiker kommen in der Pharma- oder Lebensmittelbranche ebenso unter wie im Journalismus oder in der Unternehmensberatung. Bei den Biologen verbleiben laut dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) nur fünf Prozent der Absolventen an den Hochschulen, die anderen arbeiten beispielsweise in der Pharma- oder Lebensmittelbranche, im Gesundheitswesen, bei Stiftungen, Verlagen oder Verbänden.

2005: 8.100,  2006: 6.800,	2007: 5.100,	2008: 4.800; 2009:4.700

Arbeitslose Naturwissenschaftler

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Gerade die Tatsache, dass es für Naturwissenschaftler vielfältige Einsatzmöglichkeiten gibt, ist ihr Vorteil:  Wie die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, hat sich der Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler in den vergangenen Jahren stabil gezeigt, beziehungsweise verzeichnete sogar leichte Zuwächse. Wobei diese Entwicklung nicht für alle Fachrichtungen gilt. Biologen und Geowissenschaftler, die sich in den vergangenen zehn Jahren eher schwer taten, erfuhren jüngst einen positiven Trend: „2009 stieg die Beschäftigung gegenüber 2008 überdurchschnittlich um 8,5 Prozent auf insgesamt 57.300 Biologen, Geowissenschaftler und Geografen an.“, sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. Biologen, allen voran Molekular- und Biotechnologen, konnten vor allem durch den Aufschwung der Biotechnologie profitieren.

Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg vor allem die Zahl der beschäftigten Naturwissenschaftlerinnen an. Zwischen 2000 und 2009 ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Physikerinnen, Physikingenieurinnen und Mathematikerinnen um 42 Prozent gestiegen. Bei den anderen Naturwissenschaftlerinnen wie Biologinnen und Geografinnen sogar um 86 Prozent. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den Naturwissenschaftlern inzwischen bei 41 Prozent.

2005: 43.800; 2006: 45.500; 2007: 48.600; 2008: 52.800; 2009: 57.300

Sozialversicherungspflicht beschäftigte Naturwissenschaftler

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der arbeitsuchenden Physiker hingegen stieg bedingt durch die Wirtschaftskrise leicht an. Im vergangenen Jahr lag sie erstmals seit sechs Jahren bundesweit über 1.000, dennoch blicken Experten positiv in die Zukunft. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) geht derzeit von rund 4.900 offenen Stellen aus und rechnet für die Zukunft mit einem wachsenden Fachkräftemangel.

Wer sich für Naturwissenschaften interessiert, kann auch ein Lehramtsstudium in Betracht ziehen: Bei den Schülern selten beliebt, aber an den Schulen händeringend gesucht, werden Chemie-, Mathe- und Physiklehrer. Laut der Studie „Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland, Modellrechnung 2002 – 2015“ der Kultusministerkonferenz (KMK) fehlen zur Deckung des Einstellungsbedarfs bis 2015 bundesweit insgesamt 30.000 Lehrkräfte. Der größte Mangel herrsche dabei laut KMK in Mathe und den naturwissenschaftlich-technischen Fächern.

Ein Lichtblick sind die seit 2002 wieder steigenden Absolventenzahlen. Fast 53.700 Naturwissenschaftler beendeten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2008 ihr Studium erfolgreich, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Studienanfänger stieg um sieben Prozent auf 97.500.

Master und Promotion für Forschung

Eines gilt für alle Naturwissenschaften gleichermaßen: Für den Forschungs- und Entwicklungsbereich wird ein Bachelorabschluss alleine in der Regel nicht ausreichen – oft nicht mal der Master. „Wir benötigen im Bereich Forschung und Entwicklung hochqualifizierte Naturwissenschaftler, in der Regel mit Promotion“, meint Gudrun Theurer, Personalleiterin bei der Wacker Chemie AG. Dr. Kerstin Elbing, Geschäftsführerin des VBIO, bestätigt das: „In der Forschung und Entwicklung sowie im wissenschaftlichen Bereich ist nach wie vor eine Promotion üblich.“ Wer nicht als Wissenschaftler arbeiten möchte, könne aber auch einen Bachelor in Naturwissenschaften mit einem Masterstudium in einer anderen Disziplin verbinden, um beispielsweise als Wissenschaftsjournalist zu arbeiten.

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