Haupt- und Berufsschullehrer gesucht
Lehrer werden immer gebraucht, Lehrer ist ein Beruf mit Zukunft, heißt es. Doch das gilt nicht pauschal für alle Schularten und Fächerkombinationen. Lehrer werden immer gebraucht, Lehrer ist ein Beruf mit Zukunft, heißt es. Doch das gilt nicht pauschal für alle Schularten und Fächerkombinationen. Lehramtsinteressierte sollten sich vor der Entscheidung für einen Studiengang schlau machen, wo die Einstellungschancen besonders gut stehen.
Laut Bundesagentur für Arbeit sinkt die Zahl der arbeitslosen Pädagogen seit einigen Jahren.
Foto: WillmyCC
Die Arbeitsmarktsituation für Lehrerinnen und Lehrer hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. „2009 haben die deutschen Bundesländer laut Kultusministerkonferenz rund 30.400 neue Lehrkräfte in den öffentlichen Schuldienst eingestellt, 18 Prozent mehr als im Vorjahr“, weiß Judith Wüllerich von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Zahl der arbeitslosen Pädagogen sinkt seit einigen Jahren.“ Doch wird sich dieser positive Trend fortsetzen? Eine Prognose muss verschiedene Faktoren und teils gegenläufige Entwicklungen berücksichtigen.
Der Deutsche Lehrerverband (DL) schätzt, dass an deutschen Schulen derzeit etwa 10.000 bis 20.000 Lehrer fehlen. „Ein knappes Drittel der Lehrerschaft an allgemeinbildenden Schulen ist 55 Jahre und älter, wird also demnächst in den Ruhestand gehen“, fügt Judith Wüllerich hinzu. „Das deutet auf einen hohen Bedarf an Nachwuchslehrern in den kommenden Jahren hin. Andererseits wird die Schülerzahl weiterhin deutlich abnehmen, von 2006 bis 2020 um gut 20 Prozent. Bei gleich bleibender Schüler-Lehrer-Relation ist damit ein geringerer Lehrerbedarf zu erwarten.“
Der Deutsche Lehrerverband hofft, dass die Anzahl der Lehrer trotz verminderter Schülerzahl erhalten bleibt, so dass sich das Betreuungsverhältnis verbessert. „Ich befürchte jedoch, dass zehn bis fünfzehn Prozent der frei werdenden Stellen eingespart werden“, sagt DL-Präsident Josef Kraus. „Aber das ist sicherlich länderabhängig: Hessen, Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern sind finanziell recht gut aufgestellt, während die Lage im Saarland, in Bremen und in den ostdeutschen Ländern angespannter ist.“
Die Unterschiede zwischen Ost und West, die nach der Wiedervereinigung beobachtet wurden, haben sich dagegen ausgeglichen. „War der Lehrerbedarf im Osten wegen niedrigerer Geburtenzahlen und Abwanderungen in den Westen zunächst erheblich zurückgegangen, konsolidiert sich die demographische Entwicklung in den neuen Ländern allmählich und der Lehrerbedarf passt sich der Entwicklung in den alten Ländern an“, berichtet Josef Kraus. „Für naturwissenschaftliche Fächer und Latein besteht im Osten jedenfalls Bedarf.“
Apropos Fächerkombination: Gerade die klassischen Fächer wie Deutsch, Geschichte und Fremdsprachen sind grundsätzlich gut abgedeckt. Es gibt mehr Bewerber als offene Stellen. „Nach Fachrichtungen betrachtet, fehlen insbesondere Lehrkräfte für Mathematik und die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Biologie“, erklärt Arbeitsmarktberichterstatterin Wüllerich. Wer sich für eine Lehrerlaufbahn an einer Berufsschule interessiert, ist dagegen laut Deutschem Lehrerverband mit kaufmännischen Fächern und Studiengängen wie Metalltechnik, Elektrotechnik und Informationstechnik gut bedient.
Wer einen guten Abschluss in einem der gesuchten Fächer hat, hat gute Chancen, als verbeamtete Lehrkraft ins Berufsleben zu starten. Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen für angestellte Lehrer war dagegen zuletzt rückläufig. Dabei handelt es sich aber vorrangig um Stellengesuche für Lehrkräfte an Privatschulen, Volkshochschulen, bei privaten Bildungsträgern, in der Erwachsenenbildung oder für Nachhilfeunterricht.
Die Einstellungschancen für Junglehrer an öffentlichen Schulen unterscheiden sich je nach Schulart. „Insgesamt zeichnet sich ein Mangel an Lehrern für Haupt- und Berufsschulen ab, während an Gymnasial- und Grundschullehrern eher ein Überangebot besteht“, erklärt Judith Wüllerich. DL-Präsident Josef Kraus gibt allerdings zu bedenken, dass an Grundschulen eine hohe Personalfluktuation herrscht, weil der Frauenanteil dort weit über 90 Prozent liegt: „Aus familiären Gründen arbeiten viele Grundschullehrerinnen in Teilzeit oder setzen wegen eigener Kinder längere Zeit aus.“ Und wo sie das tun, werden Stellen auch an Grundschulen frei.
Dass sich auch schulpolitische Entscheidungen auf den Lehrerbedarf auswirken werden, ist völlig klar. Die Diskussionen um eine verlängerte Grundschulzeit oder um die Integration der Hauptschulen in neue Schulformen sind in vollem Gange. „Das erschwert uns eine zuverlässige Prognose zum erwartbaren Lehrerbedarf noch zusätzlich“, erklärt Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit: „Die Politik als Gesetzgeberin hat aber die Möglichkeit, die rechtlichen Rahmenbedingungen so zu ändern, dass beispielsweise Grundschullehrkräfte in andere Schularten und umgekehrt wechseln können, damit entstehende Bedarfe gedeckt werden können.“ Lehramtsinteressenten sollten bezüglich der schulpolitischen Tendenzen in jedem Fall stets auf dem Laufenden sein.





