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Wirtschaftsingenieure

Doppelt gut

Wirtschaftsingenieure sind wahre Allround-Talente: Sie kennen sich mit der Technik ebenso gut aus wie mit Wirtschaftsthemen und sind damit in den Unternehmen vielseitig einsetzbar.

Auf dem Foto ist eine Computertastatur abgelichtet und ein Mauspad in Weltkugelform.

Wirtschaftsingenieure haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt - auch internatiional.

Foto: WillmyCC Studios

Tobias Kreckel hat während seines Wirtschaftsingenieur-Studiums an der Technischen Universität Darmstadt viel ausprobiert: Praktika in der Elektronikbranche, in der Wirtschaftsprüfung und im Vertrieb. „Der Vertrieb hat mir dabei am besten gefallen“, erinnert sich der 30-Jährige. Kein Wunder also, dass er sich nach seinem Abschluss auf Stellensuche in diesem Bereich machte. Über ein Bewerberportal kam er in Kontakt mit dem Personaldienstleister Hays. Hays sucht für Unternehmen die passenden Spezialisten – darunter Ingenieure, Informatiker, Juristen und viele andere Experten. Im November 2009 stieg Tobias Kreckel als Account Manager bei Hays in Frankfurt ein und betreut seitdem Kunden aus den

Porträtfoto von Tobias Kreckel

Tobias Kreckel

Foto: Mathias Ernert

Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik und Optik. „Meine Aufgaben bestehen zum einen aus der Kundenakquise. Das heißt, ich baue durch Telefonate und Besuche Kontakt zu Unternehmen auf. Wenn diese Bedarf an externen Spezialisten haben, gehen meine Kollegin und ich auf die Suche nach passenden Kandidaten“, erklärt der Wirtschaftsingenieur. Aus einem aktiv gepflegten Expertenpool sucht er sich die Spezialisten aus und stellt sie dem Kunden vor. „Dank meines Studiums kann ich die Anforderungen, die der Kunde an seine technischen Mitarbeiter stellt, sehr gut verstehen. Auf der anderen Seite kenne ich mich auch mit Vertragsfragen und Verhandlungen aus. Daher ist das Wirtschaftsingenieurstudium eine sehr gute Grundlage für meinen Job.“

So viel wie noch nie

Wirtschaftsingenieure sind im Kommen. Das zeigt unter anderem die Zahl der Studierenden: 2009/10 begannen deutschlandweit 21.500 junge Menschen ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens. „Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie“, stellt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit, fest. Im gleichen Jahr haben rund 8.900 Wirtschaftsingenieure ihr Studium erfolgreich abgeschlossen – ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2008. Laut Angaben des Portals „Think Ing.“ hat sich die Zahl der Absolventen innerhalb von 20 Jahren nahezu vervierfacht. Probleme, eine Stelle zu finden, dürften dabei nur wenige haben: Die Zahl der Stellenangebote für Wirtschaftsingenieure ist im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 Prozent gestiegen. „Man kann von einem Beschäftigungsboom im Wirtschaftsingenieurwesen sprechen“, sagt Judith Wüllerich. „Grundsätzlich gehören Wirtschaftsingenieure zu den gefragtesten Fachkräften am Arbeitsmarkt. Durch ihre Doppelqualifikation stehen ihnen vielfältige Einsatzfelder offen.“

Dem stimmt auch Christoph Reif, Personalleiter bei Procter & Gamble im Werk Groß-Gerau zu. Die 800 Mitarbeiter in Groß-Gerau fertigen Erkältungs- und Zahnpflegeprodukte. Weltweit beschäftigt der Konsumgüterhersteller rund 127.000 Mitarbeiter. „Wirtschaftsingenieure steigen bei uns als Prozessingenieure in der Produktion ein und sind für einen bestimmten Prozess verantwortlich“, erklärt Christoph Reif. Dies kann zum Beispiel eine Anlage sein, in der Zahnpasta hergestellt oder abgefüllt wird. Die Ingenieure suchen Verbesserungsmöglichkeiten für den Prozess und setzen diese um. „Der Vorteil von Wirtschaftsingenieuren: Sie kennen sich nicht nur mit den Anlagen aus, sondern verstehen den gesamten Prozess – einschließlich der Kosten, der Anwendungsmethoden und der Mitarbeiter im Prozessvorgang. Sie haben einen sehr breit gefächerten Blick.“ Wichtig sind dem Personalleiter analytische Fähigkeiten, innovatives Denken, Teamfähigkeit und Führungsqualitäten. Denn früher oder später werden Wirtschaftsingenieure bei Procter & Gamble auch Personalverantwortung übernehmen.

Agrarwirtschaft bis Automobilindustrie

Wirtschaftsingenieure sind in fast allen Unternehmensbereichen und Branchen gefragt. Typische Arbeitsfelder sind beispielsweise die Logistikbranche und das produzierende Gewerbe, beispielsweise die Automobilindustrie und die Konsumgüterfertigung, aber auch die Steuerung von Warenströmen, der Verkauf von komplexen technischen Systemen, die Qualitätssicherung, Marketing und Controlling. „Auch Branchen, in denen man zunächst gar nicht vermutet, dass dort Wirtschaftsingenieure arbeiten, bieten interessante Arbeitsmöglichkeiten“, weiß Prof. Dr. Christian Schuchardt, Präsident des Verbands Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V. (VWI). Dazu gehören etwa die Kommunikationsbranche, das Gesundheitswesen, die Agrarwirtschaft, die Lebensmittelindustrie, kommunale Verwaltungen oder Energieversorger.

Auf der Karriereleiter haben Wirtschaftsingenieure die Nase vorn: Laut „Think Ing.“ arbeiten mehr als zwei Drittel von ihnen in Führungspositionen. Auch bei SEW-Eurodrive in Bruchsal haben Wirtschaftsingenieure gute Chancen auf einen beruflichen Aufstieg. „Nach zwei Jahren können sie sich – wie auch andere akademische Nachwuchskräfte – im Young Potentials Programm das Rüstzeug für weiterführende Aufgaben als Führungskraft oder Experte erarbeiten“, erklärt Bettina Stengl aus dem Personalmarketing. SEW-Eurodrive ist Spezialist im Bereich der Antriebstechnik und -automatisierung. Neben Absolventen aus dem Wirtschaftsingenieurwesen stellt das Unternehmen auch Abiturienten ein, die im Dualen Studium den Abschluss Bachelor of Engineering im Fach Wirtschaftsingenieurwesen erlangen. „Einsatzbereiche sind vor allem Schnittstellenfunktionen und strategische Bereiche“, erklärt Bettina Stengl. Das können Aufgaben im Einkauf sein, im Controlling, der Qualitätssicherung, der Logistik, im Marketing, Vertrieb oder Service. „Wirtschaftsingenieure arbeiten auch in Projekten mit internationalem Bezug. Wir suchen Menschen, die etwas bewegen wollen, die ihre Technikbegeisterung leben – auch wenn wir wissen, dass ihr technisches Wissen nicht so sehr in die Tiefe geht wie bei anderen Ingenieuren.“ Aber dafür kennen sich die Wirtschaftsingenieure eben mit betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen ebenfalls sehr gut aus.

 

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