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Sozialpädagogen und Sozialarbeiter

Fachkräfte für alle Fälle

Mit ihrer Ausbildung sind Sozialpädagogen und Sozialarbeiter breit aufgestellt, können in die Kinder- und Jugendarbeit ebenso wie in die Erwachsenenbildung einsteigen oder auch in einer Verwaltung tätig werden. Die Zahl der Beschäftigten steigt seit Jahren an, aber nicht alle arbeiten in Vollzeitjobs.

Auf dem Foto spricht Fabian Nagy gerade mit einer Frau. Beide sitzen an einem Tisch. Nagy zeigt mit einem Stift auf ein Blatt Papier. Er trägt einen schwarzen Pulli und eine Brille mit dickem schwarzen Rand.

Fabian Nagy hatte Glück: "Nach meinem Abschluss konnte ich gleich im Bürgerhaus anfangen."

Foto: Privat

Eine Mutter sucht einen Kindergartenplatz, die Wohnungsgesellschaft ruft an und meldet, dass die Miete wieder nicht überwiesen wurde und der kranke Herr XY kann sich nicht zum Arztbesuch durchringen: Mit solchen und ähnlichen Fällen beschäftigt sich der Sozialpädagoge Fabian Nagy Tag für Tag. Er arbeitet in einem städtischen Sozialbürgerhaus in einem der weniger betuchten Stadtteile Münchens. Dort ist er für ein bestimmtes Wohnviertel zuständig: „Ich betreue Menschen aller Altersklassen, vom Kleinkind über suchtkranke Jugendliche bis hin zu Senioren“, umreißt der 29-Jährige seine Klientel. Mal hält er Sprechstunden in seinem Büro ab, mal klopft er vor Ort an die Wohnungstüren, etwa, wenn der Kindergarten anruft und meldet, dass ein Kind nicht erschienen ist. Er ist für den Erwachsenen- und Jugendschutz verantwortlich, was bedeutet, dass er im Notfall Kinder und Jugendliche in Obhut nehmen oder alte oder geistig verwirrte Menschen, die nicht mehr alleine für sich sorgen können, betreuen kann. Seine tägliche To-do-Liste ist lang, Prioritätensetzen ein Muss. „Ich wollte immer nah am Menschen arbeiten. Wichtig ist dabei, dass ich mich trotzdem distanziere und nicht jedes Problem zu meinem eigenen mache“, erklärt er.

Mehr Beschäftigte

Der 29-Jährige hatte Glück bei der Stellensuche. Vor seinem Bachelor-Studium „Soziale Arbeit“ an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München hat er eine Ausbildung zum Erzieher abgeschlossen und neben dem Studium weiter für die Stadt München gearbeitet. „Nach meinem Abschluss konnte ich gleich im Bürgerhaus anfangen“, erklärt er. Einen Haken gäbe es allerdings: die Bezahlung: „Reich wird man nicht“, meint Fabian Nagy, wobei seine Vollzeitstelle vergleichsweise gut bezahlt werde: „Das hängt mit der Verantwortung zusammen, die man trägt.“

Öffentliche Arbeitgeber wie die Stadt München bieten Arbeitsplätze für Sozialpädagogen in Ämtern, Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern an. Allein in München arbeiten im Sozialreferat über 1.100 Sozialpädagogen, etwa in Sozialbürgerhäusern wie Fabian Nagy oder im Amt für Wohnen und Migration. Insgesamt waren 2010 in ganz Deutschland 147.400 Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Jahr 2000 waren es erst 106.600. Rund 70 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Entwicklungen wie beispielsweise der Ausbau von Ganztagsschulen und Betreuungsplätzen haben zu den steigenden Beschäftigungszahlen beigetragen. „Immer mehr Einrichtungen berichten zugleich von Problemen, ausreichend Bewerber für ihre Stellen zu finden. Alles in allem aus Bewerbersicht eine positive Entwicklung“, lautet das Fazit von Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit.

Neben Städten und Kommunen gehören auch die kirchlichen Verbände wie Caritas und Diakonie zu den großen Arbeitgebern, hinzu kommen Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Arbeiterwohlfahrt oder das Deutsche Rote Kreuz. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen arbeiten in Einrichtungen des Strafvollzugs, in Kindergärten, Schulen oder in der Jugend- und Familienhilfe. Sie beraten Suchtkranke, Schuldner, Asylsuchende, Menschen mit Behinderung, Obdachlose oder Migranten. Und so vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen der Arbeitgeber. Wer beispielsweise in einer Volkshochschule das Bildungsprogramm verantwortet, muss in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit fit sein. In der Arbeit mit psychisch kranken Menschen sind vor allem Einfühlungsvermögen und Standfestigkeit gefragt. In Beratungsstellen gehören generell Kenntnisse in Verhandlungsführung und Moderationsgeschick zum wichtigen Handwerkszeug, bei anderen, etwa in der Drogenberatung, ist Berufserfahrung mit der Zielgruppe erwünscht. Daneben werden auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse immer wichtiger.

Wichtig bei den kirchlichen Trägern ist meist die Konfessionszugehörigkeit: „Neben der fachlichen Seite ist es uns wichtig, dass die Bewerber auch unsere Werte mittragen“, erklärt Stephan Hiller, Geschäftsführer vom Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. Auch er ist der Ansicht, dass es schwierig ist, geeignete Bewerber zu finden: „Durch die neuen Studiengänge sind die Absolventen zwar fachlich sehr breit aufgestellt, es fehlt jedoch die Spezialisierung. Wir können zum Beispiel keinen berufsunerfahrenen Absolventen mit schwierigen Jugendlichen arbeiten lassen.“ Die Caritas arbeite daher intensiv an Qualifikationsmaßnahmen, auch für Wiedereinsteiger oder ältere Fachkräfte.

Viel Teilzeit und Befristung

Aber nicht alles ist so positiv, wie es auf den ersten Blick scheint: „Zahlreiche Stellen sind Teilzeitangebote oder befristet, so dass insbesondere Berufseinsteiger Stellenwechsel oder die Kombination mehrerer Stellen ins Auge fassen müssen“, erklärt Judith Wüllerich.

Der Grund: Der Sozialbereich ist stark von öffentlichen Fördergeldern abhängig. Und deshalb gibt es auch Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. „Es ist tatsächlich so, dass in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen die Situation auf dem Arbeitsmarkt sehr gut ist, mit einer Neigung zum Fachkräftemangel. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es sehr viele Stellen. In Ostdeutschland hingegen ist die Situation sehr angespannt: Hier fehlen Stellen“, weiß Gabriele Stark-Angermeier, zweite Bundesvorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit. In Folge der krisenbedingten Einschnitte in den öffentlichen Haushalten ist die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen von 22.100 im Jahr 2009 auf 20.400 im Jahr 2010 gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslosen Sozialarbeiter und Sozialpädagogen von 16.300 auf 17.300 an. Nichtsdestotrotz spricht der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) auf seiner Webseite von einem „zu erwartenden erheblichen Mehrbedarf an sozialen Dienstleistungen“, vor allem aufgrund der älter werdenden Gesellschaft.

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